Day One
Geschrieben von schimi am 20. Januar 2009 | Demokratie
20. Jänner 2009 – Ein geschichtsträchtiger Tag. Mit dem heutigen Datum eröffne ich offiziell meinen eigenen Blog. Aber zugegeben, meine Erwartungen sind nicht so hoch, dass ich glauben würde es würde deshalb ein geschichtsträchtiger Tag werden. Trotzdem ist es ein schöner Zufall, dass diese Eröffnung exakt mit der Inauguration von Barack Obama zusammenfällt, dem ersten dunkelhäutigen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Für viele ist dies der Beginn einer neuen Ära. Viele Hoffnungen werden in die kommenden Jahre gesteckt.
Für mich, ich gebe es offen zu, hatte die Wahl von Barack Obama nicht nur einen positiven Beigeschmack. Zunächst war da mal der interne Kampf zwischen ihm und Hillary Clinton, und als einer der wenigen in meiner näheren Umgebung hätte ich eigentlich Clinton bevorzugt, nicht zuletzt auch, weil ich einfach denke dass etwas weniger Testosteron im weißen Haus den Amerikanern wirklich gut getan hätte, es der größere „Change“ gewesen wäre. Aber der erste afroamerikanische Präsident ist zweifellos auch ein wichtiges, historisches Symbol.
In erster Linie war es aber die Art und Weise wie Barack Obama an Hillary Clinton vorbei gezogen ist, die mir ein wenig unbehaglich war. In den zugegeben wenigen Diskussionen der beiden Kandidaten, die ich live mitverfolgt habe, hatte ich immer den Eindruck Clinton hat die besseren Sachargumente, aber schafft es nicht sie populär zu verkaufen. Obama hingegen sagt gerne was die Wähler hören wollen, und kann das mit seinem Charisma überzeugend an den Mann bringen. Man kennt diese beiden unterschiedlichen Politiker-Typen ja auch von hierzulande, oder von Europa, wenn auch in etwas abgeschwächter Form. Mitreißende Reden, wie sie in Amerika zum Erfolg führen, würden bei uns glaube ich gar nicht funktionieren. Aber das ist ein anderes Thema.
Generell bin ich persönlich jedenfalls immer vorsichtig, bei den besonders beliebten, rethorisch brillanten Politikern. Ich denke ich war immer schon mehr ein Al Gore-, Van der Bellen-, als ein Bill Clinton- oder Tony Blair-Typ, wenn ich das so vereinfacht vergleichen darf. Zurückhaltende, nachdenklichere Politiker scheinen mich immer mehr zu überzeugen, als laute, gefeierte Medienstars. Es ist aber gut möglich, dass das mehr mit meinen eigenen, persönlichen Charakterzügen zu tun hat, als mit wirklich politischem Verstand.
Wie dem auch sei, auch bei Obama blieb bei mir immer ein schlechter Beigeschmack. Dann im Wahlkampf gegen McCain hat sich das sogar noch verstärkt. Obwohl ich auf der einen Seite eindeutig gehofft habe, dass der Demokrat die Wahl gewinnen wird, musste ich mich doch zunehmend auch über die weltweite Begeisterung wundern. Was ich dabei besonders komisch fand ist weniger die Tatsache dass sich die Menschen und großen Massen für ihn begeistern können, sondern vielmehr dass auch sämtliche Experten und Journalisten scheinbar mitgerissen wurden und teilweise sogar zunehmend bestätigten, dass er die in ihn gesetzten Hoffnungen und Erwartungen verdient. Doch womit? Diese Frage wurde für mich nie wirklich beantwortet, schlimmer noch, es wurde fast nie auch nur versucht sie zu beantworten.
Außer Zweifel steht, Obama ist ein genialer Redner, ganz gleich wer auch seine Reden schreiben mag. Er wirkt immer souverän, kann mitreißen, ohne dabei übertriebene Grimassen schneiden zu müssen wie sein Vorgänger. Außer Zweifel steht auch: Er ist ein genialer Wahlkämpfer. Egal wie er es im Endeffekt geschafft hat, sein Weg vom „Nobody“ ins Weiße Haus ist tatsächlich beeindruckend. Diese beiden Eigenschaften seien ihm ohne Missgunst gegönnt. Aber macht ihn das schon zu jenem Politiker, von dem sich nun die ganze Welt einen „Change“ erwartet?
Für mich war „Change“ das Unwort des Jahres 2008. Ein Wort, dass man so oft gehört hatte, dass es einem wirklich schon auf die Nerven ging. Und gleichzeitig eine Phrase, zum Gewinnen einer Wahl, ohne jeglichen Inhalt, oder dass irgendwer wüsste wie dieser Change genau aussehen soll.
Doch ich gebe zu: Seit seiner Wahl, seit dem Tag an dem er glücklicher Weise über John McCain gewonnen hat, hat sich mein Bild von ihm angefangen zu verändern. Vor allem drei Punkte sind mir wirklich positiv aufgefallen, drei Punkte die tatsächlich Argumente dafür sind, warum er ein guter Präsident sein könnte:
Zum ersten, die Wahl seiner Mitarbeiter. So mancher Name wurde kritisiert, keine Frage. Aber das kam mir dann schon eher so vor, als ob man ein Haar in der Suppe suchen wollen würde. Denn was mich beeindruckt hat, war eigentlich genau das, dass man den Eindruck hat er versucht sich wirklich jene Leute zu holen, die Erfahrung haben und Experten in ihren Gebieten sind, von denen er glaubt mit ihnen gut zusammen arbeiten zu können, und das ohne irgendwelche parteipolitischen Barrieren. Es könnte noch zu einem besonders klugen Schachzug werden, zu versuchen alle Seiten an Bord zu holen. Und vor allem ist es nicht zuletzt auch die konsequente Fortsetzung seines Wahlerfolgs: Er ist in der erfreulichen Lage ein verhältnismäßig geschlossenes Amerika hinter sich zu haben, mit Wählern aus beiden Lagern. Warum sollte er diesen Vertrauensbonus also gleich wieder verspielen?
Das zweite was mich beeindruckt hat, war die Energie und Geschwindigkeit, mit der er an die Arbeit gegangen ist. Es mag sein, dass dem neu gewählten Präsidenten der Vereinigten Staaten gar nichts anderes überbleibt, als sofort ans Werk zu gehen. Und doch war mein subjektiver Eindruck, dass Obama tatsächlich mit Spass und Elan an die Sache heran geht, und vielleicht wirklich vor hat etwas zu verändern. Am Tag nach der Wahl, genauso wie am Tag vor der Wahl. Und drittens, auch wenn man ihm das nicht wirklich persönlich zuschreiben kann, imponiert mir auch die Art der Berichterstattung über ihn: Denn wann hat man von der Zeit zwischen Wahl und Angelobung schon jemals soviel mitbekommen, wie diesmal? Für ihn wird es dadurch natürlich keinesfalls leichter. Ja, durch die hohen Erwartungen wird ihm vielleicht mehr auf die Finger geschaut werden, als anderen. Sein Handeln wird vielleicht nur noch kritischer betrachtet werden, als bei anderen. Schlecht für ihn. Gut für uns. Denn was kann man sich mehr wünschen, als mehr Transparenz, mehr Berichterstattung, und damit einhergehend auch vor allem in Amerika wieder mehr politisches Interesse? In diesem Punkt hat er vielleicht sogar schon seinen ersten Change erreicht, vielleicht nicht bewusst, vielleicht nebenbei. Aber tatsächlich, es ändert sich etwas.
Und nun geht es richtig los. Was darf man sich erwarten? Mit Sicherheit keine Wunder. Die Amerikaner erhoffen sich in erster Linie einen wirtschaftlichen Aufschwung. Diesem Thema wird daher auch seine primäre Konzentration gelten. Gleichzeitig wird das aber vermutlich auch seine härteste Aufgabe, in der er nur teilweise wirklich einwirken wird können. Wirtschaftsexperten prognostizieren schon jetzt, dass es einige Jahre dauern könnte. Das könnte sogar für seine Wiederwahl knapp werden. Außenpolitisch erhoffen wir uns hingegen Dinge wie „bessere Zusammenarbeit mit der Staatengemeinschaft“, „vernünftigeren Umgang mit Krisensituationen, Terrorismus, dem Irak etc…“ und „Beteiligung am Kampf gegen den Klimawandel.“ Und tatsächlich, diese Dinge sind wesentlich leichter zu erreichen, diese Dinge sind ihm durchaus zuzutrauen.
Deshalb möchte ich auch heute am Tag seiner Angelobung, trotz meiner anfänglichen Skepsis ihm gegenüber, positiv denken und ihm alles Gute wünschen. Ich möchte die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass er wirklich etwas verändert, anstatt von vornherein alles schlecht zu reden. Nach vielen Jahren, in denen wir gerne auf die Amerikaner herabgeblickt haben, muss man es ihnen auch wirklich wieder hoch anrechnen, dass sie gerne positiv denken und wirklich von sich überzeugt sind etwas schaffen und erreichen zu können. Wer weiß, vielleicht wird dann in 2009 „Change“ für mich wirklich zum Wort des Jahres. Schaun wir uns das an.
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