Warum bloggen?
Geschrieben von schimi am 18. Januar 2009 | Medien
Anfang dieses Jahres hat der von mir sehr geschätzte Chefredakteur der Wiener Stadtzeitung Falter Armin Thurnher einen Leitartikel zum Thema Internet, insbesonders Bloggen verfasst. Zeitlich und inhatlich daher ein perfekter Anhaltspunkt um hier zum Start meines neuen Blogs die Frage aufzuwerfen: Warum bloggen?
Armin Thurnher hat Recht. Auch ich tue mir schwer, das Internet als Medium richtig ernst zu nehmen. Online-Magazine können niemals den Standard von Printmedien erreichen, da ein Artikel der sich jederzeit ändern oder löschen lässt, niemals den Wahrheitsanspruch von “Schwarz auf Weiß gedruckt” haben muss. Quellen verschwinden oder ändern sich ebenfalls. Blogs gibt es wie Sand am Meer, und ja, ohne jeden Zweifel gibt es da viele grausame. Und es stimmt auch, die meisten schreiben vor sich hin, ohne einen einzigen Leser. Am schmerzlichsten sind die Kommentare auf diversen Seiten, von brutal bis einfach nur dämlich reicht hier das Spektrum, inhaltslos und größtenteils anonym. Es stimmt also, all diese Probleme habe ich in meiner Zeitung nicht, nicht im Radio und in ausgewählten Sendungen auch nicht im Fernsehen.
Armin Thurnher hat Unrecht. Ich will mal so beginnen: Kommt einem die Kritik eines erfahrenen “Zeitungsmenschen”, an einem relativ jungen Medium, dass auf seine Weise versucht in das Territorium der “alten” Medien vorzustoßen, nicht irgendwie bekannt vor? 20 Jahre Internet haben scheinbar (und damit meine ich keineswegs nur Armin Thurnher) noch lange nicht ausgereicht, um aus den Fehlern der ersten Jahre zu lernen. Ich will hier nur das bekannteste (aber keineswegs einzige!) Beispiel anführen: Ja, tut mir leid, wiedermal die Musikindustrie. Jahrelang hat man sich damit beschäftigt bestimmte Strömungen und Entwicklungen anzuprangern, zu kritisieren und zu bekämpfen. Und dabei eines vollkommen übersehen, was uns nun die Geschichte gelehrt hat: Dass das Internet einfach neue Tatsachen geschaffen hat. Punkt. Alle gutgemeinten und teilweise auch richtigen Argumente waren einfach vergebliche Mühe, weil es da neue Möglichkeiten und Entwicklungen gab, die einfach nicht aufzuhalten waren, ob einem das nun gefiel oder nicht. Heute wissen wir, hätte die Musikindustrie früher angefangen mit diesem Trend mitzugehen und zu überlegen wo da vielleicht noch etwas für sie drin sein könnte, würde sie heute besser dastehen.
Worauf will ich also im Printbereich hinaus? Ich sage, lasst uns aus dieser neuen Entwicklung, dass jederman mit relativ leichten Mitteln öffentlich schreiben und seine Meinung äußern kann, das Beste machen. Denn es gibt diese Entwicklung! Warum also sich die Mühe machen und nun jahrelang darüber jammern wie schlecht Blogs nicht sind, und was sie nicht alles nicht können, anstatt sich zu überlegen wo ihre Stärken liegen und was sie alles können? Gerade die Printmedien, die das vielleicht am meisten betrifft, sollten damit rechtzeitig beginnen!
Wo also können diese Vorteile und Stärken liegen? Ich stelle dazu mal folgende, hypothetische Frage: Welche Blogs liest Armin Thurnher, um sein Urteil abgeben zu können? Lautet die Antwort “Keine”, dann erübrigt sich wohl die Diskussion. Lautet die Antwort hingegen “dieses und jenes”, dann müsste man wohl die Qualität dieser Blogs anzweifeln, und Gegenbeispiele bringen. Denn die gibt es ebenfalls zweifellos. Wie in allen anderen Bereichen auch, gibt es gute und schlechte, schwarze Schafe und solche die sich bemühen etwas qualitatives auf die Beine zu stellen. Die Tatsache, dass das Internet so unvorstellbar groß ist, und sich damit automatisch auch die Anzhal der “schlechten” Inhalte vergrößert, ist ein altes Problem, mit dem es schon immer zu kämpfen hatte. Doch manche Vorteile liegen auf der Hand, weil sie bereits seit langem gelebt werden: Blogs können von Menschen gemacht werden, die sonst einfach keine andere Möglichkeit haben. Blogs können aus Gebieten gemacht werden, wo sonst einfach nichts anderes möglich ist. Blogs können über Dinge berichten, die niemals in irgendwelchen Zeitungen erscheinen würden. Blogs können theoretisch ein Publikum erreichen, dass logistisch mit keinem anderen Medium möglich wäre. All das trifft beispielsweise auf Blogs aus Kriegsgebieten zu, zugegeben einem Extrembeispiel, aber gleichzeitg auch eines der wichtigsten. Blogs sind weiters rein subjektiv, und versuchen im Gegensatz zu Printmedien auch garnicht das irgendwie zu verbergen. Könnten Blogs nicht beispielsweise als Ergänzung zu Printmedien dienen? Könnten Printmedien nicht die partizipativen Möglichkeiten des Internets nutzen und Leser stärker einbeziehen? Wäre es nicht vielleicht sogar vorstellbar, das Blogs eines Tages von Printmedien zum Entdecken von Talenten und Rekrutieren von Journalisten genutzt werden? Und das sind keineswegs Phantasien, teilweise gibt es das schon.
Armin Thurnher ist in einer glücklichen Lage. Er hat sein Medium. Er hat eine Plattform, in der er seine Gedanken und Meinungen formulieren darf und kann. Und glücklicherweise ist es so, dass er sich da bestimmten Qualitätsmerkmalen unterwerfen muss und will. Wäre ich Journalist einer Zeitschrift, und sei sie noch so klein (was wohl immer noch größer wäre als das Publikum der meisten Blogs), ja dann hätte ich vermutlich auch keine Motivation einen eigen Blog zu machen.
Ich bin in einer unglücklichen Lage. Ich habe kein Medium. Aber ich habe auch eine Meinung, von der ich manchmal die Lust verspüre sie einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ich bin weder ein großer Blogging-Fan, noch ein großer Gegner. Ich sehe Vor- und Nachteile des Bloggens. Aber in jedem Fall ist dieser Blog die einzige Möglichkeit für mich, zu tun, was ich hier tue. Für mich persönlich geht es vor allem darum, meine eigenen Barrikaden zu überwinden, eben meine Schreibblockade abzulegen, und meine Meinung an eine Art Öffentlichkeit zu tragen, sei diese nun klein oder groß. Allein die Möglichkeit, dass es prinzipiell jeder lesen kann, macht für mich einen großen Unterschied aus. Denn in diesem Moment setzt man sich und seine Meinung einer möglichen Diskussion aus. Und Qualitätskriterien kann man sich auch selbst auferlegen, auch wenn diese natürlich keinerlei Kontrolle unterliegen. Anonymität ist da nur das einfachste Beispiel, über das es sich fast garnicht zu reden lohnt. In der sogenannten Blogging-Community gehört es seit Ewigkeiten zum guten Ton, nicht anonym zu bloggen. Und letztlich fällt mir dazu noch ein, es soll ja auch Printmedien geben, die ihre eigenen Regeln machen und gewisse Beiträge anonym, unter der Rubrik “Leserbriefe” veröffentlichen ;-)
Fazit: Beim Konsumieren sämtlicher Medien kritisch sein und Auswahlen treffen? Ja! Die Qualität des Internets und der Blogs erhöhen? Ja, ja, ja! Das Internet und Blogs pauschal verdammen? Nein!
2 Kommentare »
2 Kommentare zu
23. Januar 2009 um 18:20 maschi
Ich finds ja besonders traurig, was Thurnher da so verzapft hat, weil er ja nicht irgendein Medium hat, sondern eines, das von der Zielgruppe her extrem prädestiniert wäre übers Internet allen anderen vorzumachen, was eine gelungene Kombi aus Papier und Online alles sein könnte über das hinaus, was der Standard so macht. Ist ja auch schon lang nicht mehr innovativ. Keine Ahnung also, was diese planlose Jammerei eigentlich soll…
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