Der österreichische Film

Geschrieben von schimi am 17. Februar 2009 | Kreativität

Am 22. Februar werden in Los Angeles wieder einmal die Oscars vergeben. Und zum zweiten Mal in Folge ist dabei mit Götz Spielmanns “Revanche” ein österreichischer Beitrag in der Kategorie “Bester fremdsprachiger Film” nominiert. Mir persönlich haben sich dabei vor allem 3 Fragen aufgedrängt. Zum ersten: Ist es Zufall, dass schon wieder ein Österreichischer Film dabei ist? Zum zweiten: Was ist der “österreichische Film” überhaupt? Und schließlich: Warum passiert es mir zum zweiten Mal in Folge, dass ich den Film erst wirklich wahrnehme, nachdem er für den Oscar nominiert wurde?

Die Frage nach dem Zufall lässt sich naturgemäß auf zwei Arten beantworten: Ja, natürlich ist es Zufall. Niemand wird ernsthaft annehmen, dass es sich hier um einen tatsächlichen, generellen Qualitätsstempel für den österreichischen Film handelt, und es in den nächsten Jahren munter so weiter gehen wird. Niemand würde auch nur einen Cent darauf wetten, dass nächstes oder von mir aus übernächstes Jahr wieder ein Österreicher mit einer Oscarnominierung belohnt wird. Umgekehrt: wer hätte letztes Jahr sein Geld darauf verwettet? Eine Anhäufung wie diese (bei einem Land unserer Größenordnung kann man bei 2 wohl schon von Anhäufung sprechen) ist daher natürlich auch immer mit Zufall oder Glück verbunden. Einige werden überhaupt entgegenhalten, dass es sich beim Oscar nur bedingt um einen Qualitätsbeweis handelt (wobei gerade beim “Auslandsoscar” mintunter oft sehr gute Filme dabei sind). Nichts desto trotz könnte man auch antworten: Nein, es kann nicht nur Zufall sein. Denn eine Anhäufung wie diese kann nur möglich sein, wenn es eine ganze Reihe an guten Filmen gibt, nicht nur diese beiden, aus einem Umfeld das es scheinbar (allen Schwierigkeiten zum Trotz) doch zumindest irgendwie ermöglicht immer wieder Qualität abzuliefern. 2 Oscarnominierungen sind da vielleicht nur die sichtbare Speerspitze, für einen größeren Pool an österreichischen Filmen, der im internationalen Vergleich durchaus seine Aufmerksamkeit verdient hat.

Doch was ist dann dieser “österreichische Film”? Was zeichnet ihn aus? Und ist das überhaupt ein Begriff, der irgendwie Sinn macht? Zu meinen Lebzeiten kann ich mich vor allem an eine Phase erinnern, als der österreichische Film vor allem der lebendigen Kabarettszene entsprang. Von Hader, Dorfer und Düringer angetrieben schlugen die erfolgreichsten Filme jahrelang doch in eine ähnliche Schiene, auch wenn es heute eher schon als Beleidigung aufgefasst wird, wenn man “Indien” und “Hinterholz 8″ in einem Atemzug nennt. Doch trotz einiger Ausnahmen meinte man mit dem österreichischen Film eine Zeit lang vor allem Werke wie “Muttertag” oder “Freispiel”. Das führte dann vor allem dazu, dass man etwas zwanghaft versuchte dieses österreichische, national erfolgreiche Konzept zu exportieren, und beispielsweise für den deutschen Markt zu “übersetzen”. “Poppitz” musste geradezu in die Hosen gehen. Und irgendwie hatte sich diese Phase damit auch schon wieder ausgelebt.

Sieht man sich hingegen an was heute, nur wenige Jahre später alles unter den “österreichischen Film” fällt, sieht die Sache schon ganz anders aus: Da gibt es zum einen die wirklich internationalen Größen wie Michael Haneke, der ständig neue Erfolge abliefert und zuletzt auch mal in Hollywood randurfte (und dort erstaunlich stur sein eigenes Ding durchziehen konnte). Auch Stefan Ruzowitzky und Götz Spielmann sind mit ihren “Oscarfilmen” keineswegs Eintagsfliegen. Wir haben junge Regiseure, die immer wieder auf diversen Festivals vertreten sind, beispielsweise eine Barbara Albert (”Nordrand”), einen Hans Weingartner (”Die fetten Jahre sind vorbei”). Wir haben eine ganze Reihe an international gefeierten Dokumentationen, Hubert Saupers “Darwins Nightmare” sei hier erwähnt, Erwin Wagenhofers “We feed the world”,  Michael Glawoggers “Megacities” oder natürlich die Filme von Ulrich Seidl, die ohnehin einem ganz eigenen Genre angehören. Wir haben immer noch einen Josef Hader, der sich mal in Krimiverfilmungen von Wolf Haas´Romanen die Ehre gibt, mal in nachdenklicheren Filmen wie Andrea Maria Dusls “Blue Moon”. Wir haben Vertreter des “Horrorgenres”: “Hotel” von Jessica Hausner oder “In drei Tagen bist du tot” von Andreas Prochaska, das dieser Tage bereits mit einer Fortsetzung in unseren Kinos vertreten ist. Auch “experimentellere” Sachen muss man hier erwähnen, allen voran natürlich der ebenfalls Oscarnominierte Kurzfilm “Copy Shop” von Virgil Widrich.  Man merkt schon, ich hab mich da jetzt in ein gefährliches Nest begeben, weil ich garnicht alle Filme aufzählen kann, die ich teilweise wirklich großartig finde, und die allesamt aus Österreich kommen. Doch gerade darauf will ich hinaus: Ist es nicht vielleicht gerade ein Zeichen für eine lebendige, breit gestreute Filmszene, wenn sie sich nicht so leicht einer bestimmten Kategorie und Art zuordnen lässt? Wenn sich somit unter dem “österreichischen Film” eigentlich nicht wirklich etwas zusammenfassen lässt?

Warum ist es dann wichtig, überhaupt vom “österreichischen Film” zu reden? Warum soll es mir mehr bedeuten, wenn ein österreichischer Film einen Oscar bekommt, als ein Film aus einem beliebigen anderen Land? Natürlich muss es das nicht! Warum es trotzdem eine Relevanz hat, hat kürzlich Martin Blumenau hiersehr gut zusammen gefasst. Stärker als beispielsweise in der Musikszene funktioniert der Erfolg von Filme vom nationalen zum internationalen Raum hin. Nur wer national einen gewissen Erfolg hat, bekommt auch die Chance seine Filme international zu präsentieren. Darum ist es für Filmemacher so wichtig, speziell im eigenen Land wahrgenommen zu werden. Glücklicherweise gibt es natürlich auch noch andere Wege, den über internationale Festivals zum Beispiel. Ohne diese, hätten es Filme wie “Die Fälscher” oder “Revanche” wohl nicht über die eigenen Grenzen geschafft. Und daran wäre ich selbst beispielsweise genauso Schuld, wie Martin Blumenau es auch beschreibt: Auch ich habe diese Filme zugegebenermaßen nicht gesehen, bevor sie für den Oscar nominiert wurden. Das ist schade, weil es impliziert dass es auch noch viele andere Produktionen gibt, die nicht für den Oscar oder ähnliches nominiert werden, und die trotzdem unsere Aufmerksamkeit verdient hätten, mir aber irgendwie durch die Lappen gehen. Die Viennale ist mit Sicherheit eine Möglichkeit, abseits des kommerziellen Erfolgs auf österreichische Filme zu stossen. Die Diagonale noch viel mehr. Doch auch in den anderen Wochen des Jahres, sollte man die Augen wohl offen halten.

Für nächste Woche wünsche ich GötzSpielmann alles Gute, auch wenn er gegen übermächtige Konkurrenz wie dem schauspielerisch großartigen “Entre les murs”, dem sowohl inhaltlich, als auch visuell überragenden “Waltz with Bashir” oder dem Blockbuster-gerechterem “Baader-Meinhof-Komplex” wohl keine Chance haben wird. Aber darauf kommt es nicht an. Dass Menschen ins Kino kommen und sich die Filme ansehen, das ist wohl für jeden Filmemacher immer noch die bessere Belohnung als jeder Preis. Und wenn man dabei Filme erwischt wie ich zuletzt  “Mein halbes Leben” von Marko Doringer oder “Ein Augenblick Freiheit” von Arash T. Riahi, bei denen man echt mit einem “Wow”-Gefühl das Kino verlässt, und überzeugt ist gerade einen großartigen Film gesehen zu haben, dann freut man sicher umso mehr.

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