Warum bloggen? – Teil 2
Geschrieben von schimi am 11. Februar 2009 | Medien
Zum Start von Schreibblogade.at habe ich an dieser Stelle einen Artikel über die Sinnhaftigkeit von Blogs verfasst, der sich in erster Linie auch auf eine Blog-Kritik von Falter Chefredakteur Armin Thurnher bezog. Ich möchte heute dazu noch drei kleine Ergänzungen machen, oder besser 3 Beispiele für Stärken von Blogs bringen, über die ich in den letzten Wochen vermehrt gestolpert bin (nicht zuletzt gerade auch im Falter selbst) und die meine Argumentation unterstreichen:
1. Printmedien und Blogs
Blogs haben ohne Zweifel eine Reihe von Nachteilen und Schwächen. Aber wie in allen Bereichen, insbesondere im Internet, müssen wir einfach nach wie vor den Umgang mit neuen Medien und ihren Möglichkeiten manchmal erst erlernen, um die Stärken nützen zu können. Insbesondere Printmedien sollten sich daher meiner Meinung nach nicht reflexartig vor einer neuartigen “Konkurenz” fürchten, sondern überlegen wo es hier für sie etwas zu holen gibt.
Ein Beispiel über das ich nun ausgerechnet im Falter einen Bericht gelesen habe: der Freitag. Ein “Meinungsmagazin”, das dieser Tage rundum erneuert erscheint. Herausgeber Jakob Augstein gibt da im Interview unter anderem folgendes von sich:
“Die Idee ist ja, Qualitätsjournalismus mit Social Networking zu verbinden. Wenn Leser gut schreiben, dann werden sie bei uns zum Publizisten befördert. [...] Leser können sich als User anmelden. Dann können sie kommentieren. Wenn sie mehr machen wollen als das, müssen sie eine Profilseite ausfüllen, dann haben sie Bloggerstatus und Freiheiten wie bei einer Social-Networking-Seite. Die Community bewertet ihre Texte untereinander. Wir glauben, dass dieser Mechanismus die guten Leute nach oben spült. Die werden wahrgenommen von den Moderatoren. Die leiten das weiter in die Redaktion, die entscheidet, wo der Text hinkommt. Wird er gedruckt, gibt es Zeilenhonorar.”
Das nenn ich doch mal ein mutiges, innovatives Konzept. Angesprochen auf die Gefahren, dass viele Leser dann nur noch das Gratisangebot im Netz nützen werden:
“Die Gefahr ist da, aber ich glaube, es gibt keinen anderen Weg als sich ihr zu stellen. Denn wenn Zeitungen überleben sollen, dann muss es eine sinnvolle Verknüpfung geben zwischen Print und Netz.”
2. Gewichtung von Themen
Aber so weit muss man garnicht gehen. Blogs beinhalten ganz automatisch die große Chance auf die Themen im öffentlichen Diskurs entscheidenden Einfluss zu nehmen. Zum einen können sie Themen aufgreifen und präsentieren, die von anderen Medien – aus welchen Gründen auch immer – gänzlich vernachlässigt wurden. Zum anderen können sie zu einer Neugewichtung von bereits bestehenden Themen führen. Die letzten Wochen haben dafür in Österreich ein Paradebeispiel geliefert, nämlich die Diskussion der Grünen über Johannes Voggenhuber. In zahlreichen Medien war darüber zu lesen, welch großes Feedback diese Thematik in diversen Internetforen und Blogs hervorgerufen hat, was wiederum einer der Hauptgründe dafür war, wieviel in den “traditionellen” Medien darüber berichtet wurde. Ohne diverse Blogs und Foren wäre die laufende Diskussion vielleicht nie aufgebrochen, zumindest aber deutlich anders verlaufen. Eine “Community” hat hier die Chance genützt auf einen laufenden Prozess Einfluss zu nehmen, eine Chance die ihr ohne das Internet verwehrt geblieben wäre.
3. Subjektivität
Und schließlich möchte ich auch noch einmal ein Plädoyer für die Subjektivität von Blogs halten, die ich tatsächlich für eine der großen Stärken halte, weil sie im deutlichen Kontrast zu anderen Medien steht. Subjektivität wird hier nicht versucht zu vermeiden, sie wird gelebt. Mein Beispiel an dieser Stelle: FM4. Seit bestehen des Webauftritts des Radiosenders setzt FM4 auf seine sogenannten Webhosts, also FM4 MitarbeiterInnen, die hier ganz und gar ohne Themenzuordnung oder zeitliche Vorgaben wer wann wieviel schreiben muss, als AutorInnen auftreten können. So kann de facto jeder beliebige Artikel einstellen, die unter seinem Namen erscheinen, und die – was auch immer wieder betont wird – keineswegs den Vorgaben oder Ideen des Senders entsprechen müssen, sondern durchwegs als persönliche, subjektive Stellungnahmen verstanden werden sollen. Das sich dabei im Laufe der Zeit AutorInnen finden, die ein bestimmtes Thema abdecken, und so quasi ihre eigene Themenzuordnung nach den eigenen Wünschen gestalten, ergibt sich ganz automatisch. So ist ein Martin Blumenau beispielsweise abwechselnd als klassischer Daily-Blogger oder aber als Fussball-Blogger unterwegs. Christian Fuchs andererseits konzentriert sich hauptsächlich auf seine Leidenschaft als Filmfan und -kenner. Bei beiden ist dies aber keineswegs ihre primäre Rolle bei ihren Auftritten im Radio.
Das Schöne an der Subjektivität dabei: Es geht nicht darum ob man nun das was beispielsweise Herr Blumenau schreibt nur “richtig und gut” findet. Es geht noch nichteinmal darum, ob es einem persönlich gefällt oder nicht. Es geht darum, dass man den Autor und seine Sichtweisen kennenlernt, und auf diese Weise früher oder später weiß, wie seine Texte einzuordnen sind. So lässt sich teilweise vielmehr herauslesen, ganz egal ob man nun mit dem Autor einer Meinung ist oder nicht. Wenn ich beispielsweise eine Filmrezession eines Christian Fuchs lese, dann sehe ich nicht nur eine Kritik von vielen. Sondern ich sehe quasi einen “Fuchs”. Ich weiß welche Filme er mag. Ich weiß warum er bestimmte Filme mag. Ich weiß umgekehrt warum bestimmte Filme bei ihm keine Chance haben. Und genau das weiß ich zu schätzen, weil mir sein Kommentar wirklich weiterhilft, er mir wirklich ein realistisches, weil subjektives Bild eines Films vermittelt. Alle anderen AutorInnen neben Fuchs und Blumenau mögen mir verzeihen, dass ich hier nur diese Beispiele herausgreife. Was ich aber sagen will ist: FM4 ist es hier wirklich gelungen bestimmte Stärken des Internets zu nützen, und so eine perfekte Ergänzung - keineswegs eine Konkurrenz – zu ihrem eigentlichen medialen Kerngebiet zu schaffen.
2 Kommentare »
2 Kommentare zu
17. Februar 2009 um 10:33 Christian Fuchs
Das ist natürlich ein wunderbares Feedback! Ich kann mir nichts besseres wünschen, als das meine FM4-Geschichten auf die Weise funktionieren, wie du es beschreibst.
Beste Grüße
Christian
25. Februar 2009 um 12:39 Herr Lobo in der kleinen multimedialen Welt | Schreibblogade
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