Die Kunst der Kritik
Geschrieben von schimi am 1. März 2009 | Kreativität
In seinem näheren Freundeskreis und Umfeld Menschen zu kennen, die beispielsweise selbst in einer Band spielen, malen oder sich sonst irgendwie aktiv kreativ betätigen, hab ich immer als äußerst positiv und bereichernd empfunden. Dabei geht es nicht darum, ob sie das in irgendeiner Art und Weise professionell oder “erfolgreich” machen, sondern schlicht und ergreifend um die Tatsache, dass sie sich neben den alltäglichen Dingen wie Studium oder Arbeit auch noch mit anderen Sachen auseinandersetzen, die eben gerade kein primär erkennbares Ziel verfolgen. Umso besser ist es, wenn es dabei vielleicht auch noch um Dinge geht, mit denen ich selber nicht so viel am Hut habe, weil ich es interessant finde sich mit den Interessen der Freunde auseinander zu setzen, und man so auch seinen eigenen Horizont erweitern kann.
Nun kommt es aber gerade in solchen Situationen oft dazu, dass man um eine Art Stellungnahme oder Kritik gefragt wird. Nicht nur, weil eine solche Kritik am eigenen Schaffen wohl immer interessant ist, sondern weil Freunde eben manchmal die Einzigen, oft aber zumindest die Ersten sind, die beispielsweise eine neues Bild zu Gesicht bekommen. Gerade das ist nun aber eine Situation, die ichpersönlich nicht immer einfach finde. Ich weiß, es geht nicht allen so. Manche Leute haben damit scheinbar überhaupt kein Problem. Ich manchmal schon. Warum? Auf dereinen Seite will man natürlich so ehrlich und kritisch wiemöglich sein, und Dinge sagen, die den Betroffenen vielleichtwirklich weiter bringen können. Auf der anderen Seite möchte man den Enthusiasmus desjenigen aber auf keinen Fall bremsen, unddie eigene prinzipielle Bewunderung für dessen Schaffen zum Ausdruck bringen. Nun könnte man natürlich leicht sagen, dass diese beiden Dinge nicht so schwer unter einen Hut zu bringen sind: Negative Punkte sollte man sagen, aber so formulieren, dass es freundlich undgut gemeint rüberkommt. Positive Punkte sollte man dabei aber ebenso wenig vergessen, und ebenfalls erwähnen. Klingt einfach, ist in der Praxis aber meiner Meinung nach nicht immerganz so easy. Denn egal wie gut man es meint, negative Kritiken können einem manchmal näher gehen als sieeigentlich gemeint waren, positive Kritiken tendieren hingegen eher dazu schneller vergessen zu werden, weil sie eben oft als “zu gut gemeint” gelten, und aus dieser freundschaftlichen Sicht irgendwie zur Belanglosigkeit tendieren. Vielleicht ist die Art und Weise wie man über solche Dinge redet und reden kann, daher auch eine Art Abbild für die Qualität der Freundschaft. Vielleicht ist aber auch geradeaus diesem Grund oft Kritikvon außen tatsächlich besser, weil sie irgendwie klarer ist, ohne dieses persönliche rundherum. Aus der Sicht der Freundschaft könnte man auch formulieren: Freundschaft sollte wohl letzten Endes immer unterstützend wirken, auf der anderen Seite aber auch nicht vollkommen kritiklos.
Aus diesem Grund will ich hier und heute mal einen kleinen Selbstversuch machen: Einer meiner besten Freunde macht schon seit einigen Jahren seine eigene Musik, und dementsprechend haben wir auch schon oft darüber gesprochen. Im Februar hat er nun sein erstes Album heraus gebracht, das es auf I-Tunes und im gut sortierten Fachhandel nun tatsächlich zu kaufen gibt. Aus diesem Anlass will ich im Folgenden versuchen meine Meinung dazuabzugeben, so ehrlich, so umfassend und so subjektiv es eben geht.
Mangara, so der Künstlername, macht gefühlsbetonte, elektronische Musik mit deutschen, selbstgesungenen Texten. Wenn ich in 2 Sätzen meineMeinung abgeben müsste, würde ich wohl sagen: Die Musik finde ich extrem gut, mitden deutschen Vocals habe ich so meine Probleme. Insgesamt ist es unglaublich professionell und gut gemacht, aber es ist nicht unbedingt die Art von Musik die ich mir selber zuhause anhöre. Muss sienatürlich auch nicht sein. Trotzdem ist diese Kurzbeschreibung für mich viel zu ungenau, denn im Vergleich denke ich mir dann manchmal: Elektronische Musik (im vollen Bewusstsein der Ungenauigkeit dieses Begriffs) höre ich eigentlich sehr gerne, und auch zuhause sehr viel. Ebenso höre ichgerne, ruhige, chilligere Elektronik. Und auch wenn gefühlsbetonter Gesang dabei ist, habe ich nicht unbedingt Probleme damit (beispielsweise wiebei Portishead). Insofern könnten es einfach die deutschen Texte sein, die mir nicht so liegen. Doch auch das ist ein wenig zu einfach, weil ich in vielen anderen Bereichen (beispielsweise HipHop) sehr, sehr gut mit deutschen Texten zurecht komme. Worauf meine Kritikbei den Vocals also hinaus läuft ist wohl, das es sich um größtenteils sehr ernste, wie schon gesagt sehr gefühlsbetonte Texte handelt, mit denen ich vielleicht weniger anfangen kann. Was es mir beim deutschen HipHopwohl leichter macht, istdie Ironie, je weniger wörtlich ernst gemeint ein Text ist, und je mehr er mit Wortspielen arbeitet, desto besser gefällt er mir wohl. Damit ist nicht der Inhalt an sich gemeint, sondern die Form mit der dieser präsentiert wird. Wahrscheinlich ist daswirklich so eine Art Vorliebe für eine Art von Lyrik gegenüber einer anderen. Dem Gesang selber stehe ich relativ neutral gegenüber, ich finde Mangaras Stimme durchaus in Ordnung, wenngleich ich schon ein paarmal angemerkt habe, dassmir persönlich einegute Frauenstimme (vermutlich vor allem in Verbindung mit diesen Texten) irgendwie besser gefallen würde, und für mich vielleicht ein wenig stimmiger wäre.
Soviel zu den Vocals. Bei der Musik auf der anderen Seite habe ich wirklich absolut nicht das geringste auszusetzen. Ich kann mich noch an den Moment vor einigen Jahren erinnern, als er mir den ersten seiner in seinemHomestudio produzierten Songs vorgespielt hat (derauf dem aktuellen Album natürlich mehr drauf ist), und mich dermusikalisch wirklichvom Sockel geblasen hat. Die Beats sind fett, die Arrangements sind einfallsreich, und was für mich immer das Wichtigste ist: Die Melodien sind wirklich eingängig und von Song zu Song verschieden, so dass auch wirklich etwas im Ohr hängen bleibt. Besonders gut gefallen mir auch die eingebauten Live-Instrumente, allen voran das Saxophon (ich bin immer ein Fan von Blasinstrumenten in Pop und Rocksongs). Zusammenfassend könnte ich da echt mit gutem Gewissen sagen: Ohne Gesang wäre seine Musik glaube ich absolut etwas, was ich mir auch zuhause auflegen würde, wenn es nicht von einem Freund wäre.
Besonders bemerkenswert ist auch die klangliche Qualität des neuen Albums. Die Produktion ist meiner Meinung nach mehr als gelungen und holt wirklich noch viel aus den Nummern raus. Kein Wunder, hat er doch dafür einige echte Profis mit an Bord geholt, allen voran Karl Moestl von den Konsorten. Man merkt jedenfalls wieviel Arbeit und Liebe im Detail drinnen steckt, da steht die Scheibe den “großen” Produktionen in nichts nach. Und ich denke auch, dass das einer der wesentlichsten Punkte ist, weil es bei Musik natürlich letzten Endes immer auch um den persönlichen Geschmack geht. Daher, ganz egal was mir nun daran gefällt oder nicht, ist es vor allem das Wichtigste, dass es jene Menschen überzeugt, die sich in dieser Musikrichtung wiederfinden. Und dafür hat die Platte allemal das Zeug.
Kritisch anmerken könnte man hingegen noch das Artwork. Die Papierhülle der CD finde ich sehr cool und schick, aber das Albumcover ist nicht unbedingt mein Geschmack, das Foto ist mir zu verträumt, auch wenn das natürlich beabsichtigt ist (Albumtitel: “Traumpfade”), so ist mir die Haltung doch ein bisschen zu unnatürlich. Und simpel gesagt: Auch das viele Rosa ist nicht unbedingt mein Ding. Aber das alles sind dann schon wirklich Kleinigkeiten, vor allem in Zeiten in denen es ohnehin mehr um den digitalen Markt geht. Ich selbst bin halt ein Fan von richtigen Alben und schönen Covers, hab mir aber trotzdem noch nie eine Platte nur deswegen (nicht) gekauft.
Zusammenfassend will ich noch sagen, dass es für mich auf dem neuen Album einige Nummern gibt, bei denen aus meiner Sicht wirklich alles passt. “Wind” war auf meiner Weltreise wirklich ein treuer Begleiter, vor allem auch inhaltlich. “JT”, mit seinem etwas abgefreakterem Gesang ist für mich vielleicht die beste Nummer auf der Platte überhaupt. Und Live hat mir das Ganze zumeist noch viel besser gefallen, weil es da noch ein wenig rauer daher kommt. Die alte Besetzung mit Live-Gitarristen und Live-Drummer gibt es leider nicht mehr, aber ich bin auch schon auf das neue Setting gespannt. Zu Erleben gibt es das übrigens am 7.März im Cafe Leopold (CD-Release Party, u.a. mit DJ Functionist undKarl Moestl)!
Konstruktive Kritik hin oder her, am Ende bleibt vielleicht immer, dass man gewisse Dinge nicht losgelöst von einer Freundschaft betrachten kann. Ich weiß nunmal wieviel Liebe, Zeit und Arbeit in dieser Scheibe steckt. Und er kann wirklich stolz auf das Ergebnis sein. Soetwas kann man eigentlich nur mit voller Kraft unterstützen. Mehr ist dem nicht hinzuzufügen.
1 Kommentar »
Ein Kommentar zu
6. März 2009 um 10:01 Matthias (Mangara)
Hi Flo aka Schimi
Echt cool dein Blog im Generellen (habs erst jetzt entdeckt) und freu mich über diesen Beitrag im speziellen. Ich finds toll wie du den wirklich schwierigen Aspekt “Freunde – Projekte – Feedback – Unterstützung” hier rausgearbeitet hast – gut geschrieben!
Zu meinem Projekt mangara: Ich glaub dass mangara als Projekt genauso sein muss weil es eine Art Singer Songwriter Ding ist – persönlich, direkt und natürlich vom “Künstler” selbst gesungen – aber mit modernen, progressiven Mitteln umgestetzt, nicht einfach “nur” Gitarre. Im Falter ham sie geschrieben “eine zeitgenössische Form poetischen Liedermachertums” – das ist ganz treffend….! Ein Kölner Magazin (Wild) hat geschrieben “Das Album besticht durch eine große Geschlossenheit und eine strikte Konzeption, die konsequent eingehalten wird.” Das ist mir auch wichtig!
Wie auch immer man dazu steht – ich bin einfach nur total glücklich mit der CD.
Schade ist natürlich wenn man dann hört dass die Musi/Produktion weltklasse ist, Gesang und Texte aber abfallen oder irritieren. Aber wer will schon Musik machen die allen gefällt :-)
lg
Matthias