Öffentlich-Rechtliches-Fernsehen?
Geschrieben von schimi am 25. März 2009 | Menschen
Achtung, dieser Artikel enthält Werbung! Werbung für einen kleinen, aber feinen Fernsehsender. Werbung für eine kleine, aber sehr feine Sendung. Und zugegebener Maßen auch ein bisschen Werbung in eigener Sache. Hier sollten nun die meisten schon weggezappt haben. Wer sieht sich schon freiwillig nervige Werbung an? Eben.
Was ist das? Ein unabhängiger Fernsehsender, der sich nicht über kommerzielle Werbung finanziert, sondern über öffentliche Förderungen? In der Jedermann und Jedefrau dieser Öffentlichkeit mitreden und mitgestalten kann, und ihn so zum eigenen Sprachrohr macht? In dem sich daher die Gesellschaft von ganz alleine 1:1 abbildet und widerspiegelt, ohne großes Bemühen darum? Klingt das nicht irgendwie nach einer Form von öffentlich-rechtlichem Fernsehen, wie es sein sollte? Doch die Rede ist natürlich nicht vom ORF, sondern von Okto. Okto will nicht öffentlich-rechtlich sein, sondern versteht sich als partizipatives Fernsehen, in Ergänzung zu ORF und privat-kommerziellen Sendern. Manche halten Okto für einen Sender, auf dem irgendwelche Freaks uninteressante Sendungen machen. Doch damit unterliegt man dem Hauptirrtum in Bezug auf Okto: Okto strebt keine Konkurrenz zu den herkömmlichen Sendern an, weil es schon allein auf Grund seiner Mittel keine Konkurrenz sein könnte. Okto füllt hingegen eine Nische, die vom ORF nur viel zu unreichend bedient wird. Oder besser gesagt: Okto füllt Nischen. Nämliche sämtliche, die vom ORF und den Privaten garnicht bedient werden. Und das funktioniert ausgesprochen gut. Zwei kleine Beispiele: in den etwa 100 aktuellen Sendungen auf Okto, sind 17 verschiedene Sprachen vertreten. Die am zweithäufigsten vertretene Sprache hinter Deutsch ist nicht Englisch, sondern Türkisch. Die prozentuale Anzahl der türkisch-sprachigen Sendungen entspricht in etwa dem prozentualen Anteil der türkisch-sprachigen Mitbürger in Wien. Zweites Beispiel: Gleich 3 Sendungen auf Okto beschäftigen sich derzeit als Kernthema mit Homosexualität. Das entspricht vielleicht noch nicht dem prozentualen Anteil, aber immerhin. Der springende Punkt ist ja: Diese Anteile gibt niemand vor, niemand will sie erreichen, sie passieren einfach, weil unsere Gesellschaft nunmal so aufgebaut ist. Okto bildet das nur ganz zufällig wieder ab, weil es das zulässt. Darum zielt Okto auch nicht darauf ab möglichst viele Zuseher zu haben, schon garnicht sie an den Sender zu binden, im Sinne dass eine Sendung nach der anderen für möglichst viele, oder zumindest für eine bestimmte Zielgruppe spannend sein muss. Alle Sendungen werden gleichermaßen zu denselben Zeiten gezeigt. Aber das heißt wiederum auch für den Zuseher umdenken: Okto ist kein Sender zum zufällig schauen: Okto bedient Nischen, der Zuseher muss sich diese Nischen dementsprechend aussuchen.
Eine dieser Nischen ist Bildungsfernsehen. Bildung in Sachen Politik. Bildung in Sachen Demokratie. Ist das nicht schon wieder etwas, was eigentlich ein klassisch öffentlich-rechtlicher Inhalt sein sollte? Wie auch immer. Auf Okto gibt es eine Sendung, die nennt sich “Demokratie?“. Demokratie bewusst mit Fragezeichen. Denn die Sendung will nicht nur politische Bildung betreiben, sie will vor allem auch bewusst politische Denkprozesse anstossen, und so vielleicht sogar einen kleinen Beitrag zur “Politisierung” oder “Demokratisierung” unserer Gesellschaft beisteuern. In kurzen, 13-minütigen Einzelfolgen, stellt die Sendung dabei Straßeninterviews und Expertengespräche gegenüber, und verbindet das ganze mit kleinen didaktischen Teilen. Dabei werden Fragen aufgeworfen, die nur teilweise beantwortet werden können, zu Themen wie “Geschichte der Demokratie”, “Gewaltenteilung”, “Migrantenwahlrecht”, “Demokratie und Medien”, “Demokratie und Wirtschaft” usw. Der Erfinderin und Produzentin der Sendung, Shermin Voshmgir, geht es dabei vor allem auch darum aufzuzeigen, dass Vieles, was man in einer Demokratie für gegeben oder selbstverständlich hinnimmt, durchaus auch anders sein könnte. Ich persönlich halte die Sendung für äußerst gelungen, einen kleinen, kurzweiligen Denkanstoss zu einem sehr wichtigen Thema.
Wenn ich nun schon ins Schwärmen komme, dann darf ich natürlich nicht verheimlichen, dass ich seit einiger Zeit auch selbst ein bisschen bei der Sendung mithelfe. Soviel zum angekündigten Eigenlob. Aber mein Anteil ist bisher, verglichen mit der Arbeit die Shermin mit der Sendung hat, so verschwindend winzig, dass ich mich hier umgekehrt auch nicht mit fremden Federn schmücken will. Nur verheimlichen kann ich es natürlich auch nicht. Außerdem sei zu meiner Verteidigung gesagt: Der Grund dafür, warum ich mithelfe, ist einzig und alleine weil mich sowohl das Thema, als auch das Format der Sendung sehr angesprochen haben. Insofern hätte es diesen Artikel mit Sicherheit auch gegeben, wenn ich nichts mit der Sendung zu tun hätte.
Manche werden sich jetzt vielleicht denken, dass dieser Beitrag auf Grund der Sendung natürlich durchaus auch in die Kategorie “Demokratie” gepasst hätte. Auf Grund des Fernsehsenders Okto auch unter “Medien”. Ich hab mich aber trotzdem für “Menschen” entschieden, weil es bei “Demokratie?” und bei “Okto” ebenfalls um Menschen geht. Und weil dies nicht zuletzt auch eine kleine Anerkennung für die Sendungsmacherin sein soll, die für ihre Arbeit an der Sendung natürlich weder Geld noch Ruhm bekommt. Da sollte doch zumindest mal ein Lob drin sein, wenn man es sich wirklich verdient hat.
Keine Kommentare »