Piraten
Geschrieben von schimi am 20. Mai 2009 | Medien
Heute gebe ich mal mutig zwei Prognosen zum Thema Internet ab: Prognose 1: Das schwedische Gerichtsurteil gegen Pirate Bay wird keinen Rattenschwanz an ähnlichen internationalen Fällen nach sich ziehen (bzw. über kurz oder lang nicht einmal in Schweden selber halten). Prognose 2: Skype auf dem Handy zu benutzen wird ein großer Renner, trotz aller Gegenbemühungen von T-Mobile und Vodafone.
Nun bin ich natürlich kein Hellseher. Gut möglich, dass mich der eine oder andere Richter noch Lügen strafen wird. Gut möglich, dass sich schlichtweg keiner für Skype am Handy interessiert, und es keinen Markt dafür gibt. Das mag sein. Der springende Punkt ist aber: Beide Prognosen sind natürlich alles andere als mutig, weil wir ähnliche Entwicklungen schon mehrmals erlebt haben!
Es wird für mich immer faszinierend bleiben, wie manche Betroffenen angesichts neuer Entwicklungen im Internet nicht aus der Geschichte lernen wollen, sondern wie blind um sich schlagen und hoffen so diese Entwicklungen aufhalten zu können. Sei es die Musikindustrie im Umgang mit Tauschbörsen, seien es die Printmedien im Umgang mit Blogs. Immer wieder lernt man doch dasselbe: Wer sich schneller an die neuen Begebenheiten anpasst, und – ob es ihm gefällt oder nicht – versucht diese für sich zu nutzen, der wird am Ende überleben. Wer nur stur dagegen ankämpft wird auf der Strecke bleiben.
Das ist keine Frage der Moral oder von Gut gegen Böse. Ich sage ganz klar: Auch ich persönlich habe meine Probleme und Bedenken was beispielsweise Raubkopien im Internet angeht. Natürlich ist auch der Diebstahl von geistigem Eigentum letzten Endes Diebstahl. Die Tauschbörsen haben vielen, vor allem den kleinen Musikern sehr geschadet. Auch das ist kein Geheimnis. Ich persönlich heiße das Gratisrunterladen von Musik daher keinesfalls gut, und praktiziere es auch selber nicht. Tatsache ist aber, es existiert. Wer sich daher frühzeitig darauf einstellte und sich was einfallen lies das diesen neuen Begebenheiten entgegen kommt, sei das nun ein großer Konzern der etwas wie I-Tunes entwickelt, oder ein kleiner Musiker, der seine Platte gratis im Netz anbietet um PR für seine Konzerte zu machen, der steht heute besser da als jene, die Zeit und Geld in Klagen investiert haben, Klagen gegen irgendwelche Konzerne bei denen man noch Geld rausholen kann, oder gar gegen die eigenen Fans.
Daher, um auf meine Prognosen zurück zu kommen: Gewagt sind sie nicht, aus folgenden drei einfachen Gründen: 1. hätten solche Urteile wie jenes gegen Pirate Bay natürlich katastrophal weitreichende Folgen: Wer die Zugänglichmachung von Content im Internet verbietet, also unter Strafe stellt dass auf meiner Seite jemand einen Begriff eingibt, und dadurch die Information findet wo beispielsweise ein bestimmter illegaler Film zu finden ist, der verbietet beispielsweise auch Google, und der verbietet damit in letzter Konsequenz auch das Internet an sich. Das wird nicht machbar sein. 2. Das Urteil ergibt in Hinblick auf Prävention und Abschreckung keinerlei Sinn. Jedem Beteiligten muss klar sein, dass nach einem solchen Urteil bereits abertausende Leute mit neuen Geschäftsideen, sich herausgefordert fühlende Hacker oder vielleicht auch nur Möchtegern-Community-Helden in den Startlöchern scharren, um die nächste Idee auf den Markt zu bringen, den nächsten Weg um die neuen Regeln zu umgehen, den nächsten Schritt einer nicht aufzuhaltenden Entwicklung. 3. Während die Filmstudios hoffen bei Pirate Bay noch Geld rausschlagen zu können, sind die wahren Betroffenen gedanklich längst schon weitergezogen: Kein Musiker würde heute noch im Glauben Musik machen mit Plattenverkäufen zum Millionär werden zu können. Das ist vorbei.
Und mit der Skype Geschichte ist es nicht viel anders: Ich wünsche T-Mobile, Vodavone und ihren ganzen Anwälten viel Glück dabei sich Methoden zu überlegen wie sie Nokia und Co. dazu zwingen können keine Skype-Handies auf den Markt zu bringen. Und in der Zwischenzeit reiben sich jene kleineren Anbieter, die bereits die Zeichen der Zeit erkannt haben umso mehr die Hände, weil in dieser (Noch-)Nische mehr Platz bleibt. Und wenn sich Nokia und Co. aus wirtschaftlichen Gründen entschließen mit T-Mobile und Vodavone mitzugehen, auch gut: Dann gratuliere ich bereits der heute noch unbekannten Firma, die Skype-Handies herstellen wird.
Keine Kommentare »