Gezwitscher
Geschrieben von schimi am 14. Juni 2009 | Medien
Ja, jetzt bin ich auch ein Twitterer. Gerade eben hab ich meinen Twitter Account eingerichtet, und werd nun die kommenden Wochen und Monate damit verbringen mich in dieser neuen Welt zurecht zu finden. Entgegen so mancher Annahme, bin ich ja traditionell ein echter Spätstarter was Web 2.0 betrifft. Das muss ich ehrlich zugeben: Ich bin keiner von denen, die bei neuen Web-Trends sofort auf den rasenden Zug aufspringen. Meistens hab ich die Dinge erst ein Weilchen aus sicherer Distanz beobachten müssen, um mir wirklich einen persönlichen Zugang dazu zu verschaffen. Das hat nichts mit einer prinzipiellen Ablehnung zu tun. Im Gegenteil. Oft hab ich mir gedacht “Coole Sache”, aber wirklich selbst verwendet hab ich es deswegen noch lange nicht. Das hat mehr mit der Definition des Sinn und Zwecks für mich ganz persönlich zu tun. Ich brauch wohl meistens ein bisschen, um für mich definieren zu können, was mir dieses oder jenes Medium wirklich bringt.
Auf Facebook bin ich beispielsweise erst letztes Jahr eingestiegen, und zwar im Zuge meiner Weltreise. Der schnelle und unkomplizierte Austausch von Kontakten hat sich da einfach als wirklich praktikabel für mich heraus gestellt. Dadurch hab ich einen wirklichen Sinn für mich erkennen können, weil das in Kontakt bleiben mit Leuten, die über den Erdball verstreut sind, via Facebook wirklich gut klappt, viel besser eben als wenn man nur die EMail Adressen hätte.
Diesen Blog hab ich überhaupt erst dieses Jahr begonnen. Lange Zeit hatte ich Zweifel, ob mir das wirklich Spaß machen würde, und was es für mich bringen würde. Irgendwann hats dann für mich scheinbar doch gepasst, darüber hab ich hier schon ausführlich geschrieben.
Ein Beispiel, zu dem ich bis heute noch keinen Zugang habe, und den ich wohl auch nicht mehr finden werde ist MySpace. Das war für mich immer irgendwie wie ein kleines Internet im Internet, quasi nochmal die Neuerfindung des Internets: Ins Internet stellt man selbst gestaltete Seiten mit persönlichen Inhalten. Genauso verhält es sich mit MySpace. Nur irgendwann ist da Internet so groß, dass man Beispielsweise die Seiten von kleinen Bands garnicht mehr so einfach findet. Dann gründet man MySpace, das sich thematisch hauptsächlich auf Bands konzentriert, um eine engere Vernetzung von Bands herzustellen. Das macht durchaus Sinn, aber eben nur so lange bis dieses Subnetz auch wieder zu groß geworden ist. Inzwischen hab ich meine Zweifel, dass es kleinen Bands noch viel Publicity bringt, auf MySpace vertreten zu sein. Wie dem auch sei, für mich persönlich ergab sich da nie ein Anknüpfungspunkt.
Ganz anders verhält es sich nun mit Twitter. Vielleicht sind meine Erwartungen zu groß, aber ich kann doch sagen: Noch nie hat mich ein Web 2.0 Trend so interessiert und gereizt wie Twitter. Das hat mehrere Gründe: Zum einen ergibt sich schon aus der Beschaffenheit der kurzen, maximal 140 Zeichen langen Nachrichten, eine gewisse Fokusierung auf klare und einfache Informationen. Das animiert auch dazu entsprechend interessante Informationen tatsächlich weiterzuleiten, was wiederum zu einer engen, weltweiten Vernetzung durch Twitter führt. Je spannender eine Nachricht, desto eher verbreitet sie sich durch das Twitter Netzwerk. Außerdem spricht mich auch das Konstrukt des “Followers” an, dass sich für mich wesentlich von den “Friends” in Facebook unterscheidet: In Facebook sammelt man, wie der Name schon sagt, eher Freunde um sich, zumindest aber Menschen, die einem in irgendeiner Form persönlich bekannt sind. In Twitter geht es hingegen neben Bekannten und Freunden auch darum, die Nachrichten von Menschen zu lesen, die einem nicht unbedingt wirklich persönlich bekannt sind, deren Inhalte man aber aus irgendeinem Grund für interessant hält. Dadurch ergibt sich auch der “News” Charakter von Twitter, den ich für besonders spannend halte: Auch so manche Journalisten und Promis sind auf Twitter unterwegs und berichten über sie betreffende Thematiken. In Österreich ist beispielsweise Armin Wolf ein gutes Beispiel, der Twitter dazu nützt zu tagespolitischen Themen so manche, etwas pointierter formulierte Nachricht zu schicken, die in seinen Sendungen keinen Platz hätte.
Aber auch abseits der offiziellen Medien-Vertreter verbreiten sich Nachrichten via Twitter rasend schnell: Die derzeitigen Unruhen im Iran sind nur eines von vielen Beispielen für News, über die auf Twitter schon lange berichtet wurde, bevor beispielsweise CNN überhaupt Wind davon bekam. Nachzulesen zum Beispiel hier. Also mal sehen, ob Twitter für mich hält was es verspricht.
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