Oh du fröhliche…

Geschrieben von schimi am 23. Dezember 2009 | Demokratie

Weihnachtszeit, besinnliche Zeit,  Zeit der Nächstenliebe, Zeit des Miteinanders, Zeit aufeinander zu zugehen:

Rektor Winkler wählt als wunderbaren Termin, um den Audimax der Wiener Universität von der Polizei räumen zu lassen, den 21.Dezember. In seiner Begründung scheint ein bisschen durch, aus welcher politischen Ecke er sich dabei beraten hat lassen: Drogen sollen im Spiel sein. Und wilde Parties geplant. Hui, da sind scheinbar wirklich böse Menschen am Werk, dort im Audimax. Vor allem bei einem sind sich alle einig: Es sind mit Sicherheit keine Studenten, die irgendein bildungspolitisches Ziel verfolgen. Denn, so verkündet auch schon der Polizeisprecher: Es waren nur ca. 10 – 15 Studenten vor Ort, der Rest von ca. 80 Personen, waren ohnehin nur Obdachlose. Und der zuständige Minister, der sich gerade ganz woanders (nämlich auf einer Klausur für seinen zukünftigen Job) befindet, und das Problem gekonnt auf den Rektor abgewälzt hat, legt noch einen nach: Genau, fast nur Obdachlose, das hat mit Bildungsproblemen rein garnichts mehr zu tun gehabt. Na dann können wir ja alle glücklich und zufrieden sein: Am kältesten Tag des Jahres, um sechs Uhr in der Früh, drei Tage vor Weihnachten, werfen wir 80 Obdachlose vor die Tür. Und die einzigen, die das nicht ganz okay finden werden auch noch zynisch belächelt: Na seht ihr, es geht doch garnicht um Bildungspolitik, das ist doch alles garnicht so schlimm! Nur: Nichts hat sich verändert. Nichts hat sich gebessert. Wir sind der Lösung keinen Schritt näher. Aber wir können in Ruhe Weihnachten feiern, denn es hat wieder funktioniert: Einfach aussitzen das Problem, nur nicht ernstnehmen. Unsere geniale Politik!

Gratulieren darf man auch Frau Fekter: mit harter Hand hat sie durchgegriffen, als starke Frau geht sie unbeirrt ihren Weg. So mag das der Österreicher. Schade nur, dass es in Eberau vermutlich nie zu einem Asylzentrum kommen wird, denn man muss kein Hellseher sein, um vorherzusehen wie eine derartige Volksbefragung nun ausgehen wird. Wer kanns den Eberauern verdenken? Nur ein kleiner Blick in die Steiermark reicht, und wir sind im Demokratievergleich am anderen Ende des Spektrums angekommen: Die Bevölkerung wurde eingebunden, die Bevölkerung wurde informiert, die Bevölkerung hat entschieden. Ja, so einfach könnte das sein. Keine Aufregung, keine politischen Kleinkriege, und vor allem: Am Ende steht eine Lösung. Man darf den Vordernbergern wirklich zu ihrer Entscheidung (69,9%!) gratulieren.  Das ist aus meiner Sicht eine besonnen getroffene Entscheidung unter Abwägung von Vor- und Nachteilen. Vor allem muss man ihnen aber zur Art der Entscheidungsfindung gratulieren, denn hätten sie dagegen gestimmt, wäre das genauso zu akzeptieren. Der springende Punkt ist wie gesagt nur: es ist eine Entscheidung die akzeptiert wird, nicht einmal die Rechten können da noch viel dagegen sagen.

Doch während sich Österreich ausgerechnet in dieser ruhigen Weihnachtszeit mit so lässtigen Randerscheinungen wie Obdachlosen, Asylanten und partywilden Studenten herumschlagen muss, trifft uns wenigstens außerhalb unserer Grenzen keine Schuld: Nichts geringeres als die Rettung dieses Planeten stand auf der Tagesordnung für Dezember, geworden ist es dann doch nur… rein garnichts. Noch nicht einmal ein brauchbarer Vorschlag, der dann von manchen vielleicht nicht unterzeichnet worden wäre.  Und alleine, alleine will man natürlich auch nichts für den Klimaschutz machen. Wäre ja nur zum Nachteil. Und so will zwar die ganze Welt die Erde retten, nur unsere Führer können sich nicht darauf einigen, weil sie so die Hosen voll haben, ihre Ei.. äh Wirtschaft könnte schrumpfen. Denn: Schuld sind doch zum Glück immer die Anderen. Und so kann unser Umweltminister Berlakovich mit gutem Gewissen vor die Kameras treten und verkünden: Schade, schade, dieses Ergebnis ist eine große Enttäuschung. Er hätte ja gewollt, nur das böse Amerika nicht, und schon garnicht dieses oberböse China. Sprach er, und reiste zurück in das Land mit dem schlechtesten Kyoto Ergebnis aller EU Länder.

So einfach kann Politik sein. Und im ganzen Land ist die Feiertagsruhe wieder hergestellt. Im ganzen Land? Nein, in einem kleinen Teil namens Kärnten zanken, spalten und vereinen sie was das Zeug hält. Darum gibts hier  zum Abschluss doch noch etwas Aufmunterndes, für alle die immer noch nicht den Durchblick haben, wer jetzt wann wo für und gegen wen ist. Viel Spaß und frohe Weihnachten!

PS: wer das Original nicht kennt, kann das hier nachholen

2 Kommentare zu

“Oh du fröhliche…”

  1. 23. Dezember 2009 um 22:39 Julia Ogris

    find ich schoen, dass in der heimat politik lebt – blogs, hoersaal besetzungen. in australien herrscht eine derartige apathie, dass man nur leises raunen hoert wenn die regierung das internet zensuriert. da beginnt die bildungsklassengesellschaft schon in der volksschule. und das beste an dem ganzen – privat schulen (5000 euro jaehrlich und mehr) werden staatlich subventioniert. und niemand besetzt ne schule….

  2. 25. Dezember 2009 um 20:09 schimi

    Hey Og, einen Kommentar von dir zu lesen, is ja fast wie ein kleines Weihnachtsgeschenk! ;-) Vielleicht lässt sich politisches Desinteresse in Australien damit begründen, dass euch einfach immer die Sonne aus dem A… scheint, dann kanns einem natürlich egal sein ;-) Aber schön, dass du daran etwas vermisst…. lg nach downunder