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	<title>Schreibblogade &#187; Doping</title>
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		<title>Doping als Medienproblem</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Aug 2009 14:38:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schimi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Doping]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Die mit Ende Juli zu Ende gegangene  Tour de France 2009 hat mich bezüglich Doping wieder einmal nachdenklich gemacht. In Österreich war ja das Thema Doping in den letzten Monaten so präsent wie vielleicht überhaupt noch nie, ausgelöst vor allem durch den letztjährigen großen Tour de France Skandal namens Bernhard Kohl. International dürfte das Thema hingegen wieder etwas abflauen, scheinbar ging die Tour de France diesmal ohne größeren Skandal über die Bühne. Nun könnte man als alter TdF Fan froh darüber sein und sogar glauben, dass diese Tour &#8220;sauber&#8221; abgelaufen ist. Doch jedem noch so naiven Beobachter ist im Grunde klar, dass das Problem keineswegs gelöst ist. Zu viele Fragen bleiben offen, und gerade eine so &#8220;sauber&#8221; abgelaufene Tour wirft zuviele neue Bedenken und Ungereimtheiten auf. Für mich scheint es fast so, als wäre Doping in einer Art dritten Phase angelangt, der mediengesteuerten Phase.</p>
<p>Phase 1 war der Beginn: Doping als Einzeltäterphänomen. Einzelne Sportler wollten sich einen sportlichen Vorteil gegenüber anderen verschaffen. Durch Einnahme von leistungsteigernden Substanzen konnten einzelne Akteure Erfolge einfahren, zu denen andere nicht mehr in der Lage waren. So wurden Ergebnisse verfälscht und der sportliche Aspekt blieb auf der Strecke.</p>
<p>Phase 2 kennzeichnete sich durch systematisches Gruppen-bezogenes Doping. Ganze Teams, oder gar ganze Sportarten gingen dazu über zu dopen. Heute wissen wir, durch die Aussagen von zahlreichen aufgedeckten Einzelfällen, dass Doping für Ärzte, Teamchefs und Sportberater zum großen Geschäft wurde. Bleibt man beispielsweise beim Radsport, so war und ist es wohl immer noch so, dass man als junger Sportler garnicht daran vorbei kam Dopingmittel angeboten zu bekommen, oder gar mitmachen musste um überhaupt an Verträge bei diversen Teams zu kommen. Geprägt war diese Phase daher vor allem auch von einem geminderten Unrechtsbewusstsein der einzelnen Sportler, frei nach dem Motto: wenn es alle machen, muss ich es ja auch machen. Nicht um einen Vorteil zu haben, sondern um keinen Nachteil zu haben. Und meine Leistung, und mein hartes Training, zählt ja ohnehin immer noch. Doping wurde zum fixen Bestandteil ganzer Sportszenen. So kommt es wohl auch, dass gewisse Sportler über Jahre hinweg an ihren Unschuldsbeteuerungen festhalten, weil sie selbst fast daran glauben. Und schlimmer noch: Auch die Medien glauben gerne daran. Man muss sich nur die Hauptakteure der diesjährigen &#8220;sauberen&#8221; Tour de France ansehen: Sieger Alberto Contador war vermutlich maßgeblich in den großen spanischen &#8220;Dr. Fuentes&#8221; Dopingskandal verwickelt. Die Initialen A.C. tauchten auf zahlreichen Proben auf, nachgewiesen werden konnte ihm nie etwas. Noch zweifelhafter ist die Sauberkeit des Idols Lance Armstrong. Dem wurde de facto EPO Doping nachgewiesen, allerdings mit Proben aus Zeiten in denen EPO noch nicht nachgewiesen werden konnte, und noch nicht einmal auf der Dopingliste stand. Man weiß also de facto, dass auch er gedopt hat. Glauben will es aber trotzdem niemand. Und schon garnicht, dass er es wieder tun würde.</p>
<p>Obwohl man niemandem Doping unterstellen kann, glaube ich einfach nicht mehr daran, dass es auch nur irgend jemanden in der Radszene gibt, der dort über Jahre hinweg zu Hause ist, der nicht irgendwann damit in Berührung gekommen ist, nicht irgendwann etwas angeboten bekommen haben muss. Anders kann es ja garnicht funktionieren. Insofern frage ich mich ganz simpel: Mal angenommen, Lance Armstrong hätte nie gedopt. Was motiviert einen Sportler, eine saubere Karriere aufs Spiel zu setzen, und in eine Sportart zurück zu kehren, von der er genau wissen muss, dass sämtliche Siege nur über Doping laufen können? Wie kann er sich ernsthaft Chancen ausrechnen, wenn er im Grunde weiß, dass alle anderen relevanten Gegner dopen? Die Antwort darauf kann nur eine der folgenden sein: A) er glaubt daran, dass der Sport jetzt sauber ist. B) er hofft darauf, dass die anderen erwischt werden, und er mit einem 2. oder 3. Platz als einziger Sauberer den Sieg erbt. C) er dopt selber und glaubt aus irgendeinem Grund fest daran, nicht erwischt zu werden.</p>
<p>Aber da es hier nicht um Lance Armstrong gehen soll, sondern um Doping allgemein, möchte ich auch versuchen auf diese Antwort A etwas allgemeiner einzugehen: Mein Problem damit, warum ich nicht daran glaube, ist weniger das Verhalten der Dopingsünder und deren Aussagen. Sondern vielmehr das Verhalten der vermeintlich &#8220;sauberen&#8221; Sportler. Ich frage mich zum Beispiel: Wie kann es sein, dass nie (niemals) ein junger Sportler auftaucht der von sich aus sagt: Mir wurde Doping angeboten, und ich habe es nicht angenommen. Das würde ja bedeuten, dass entweder nie Doping angeboten wird (woran wohl niemand mehr glaubt) oder alle die es angeboten bekommen, es auch nutzen oder zumindest aus irgendwelchen Gründen lieber darüber schweigen. Wie kann es des weiteren sein, dass sich in einer Sportart, die stark vom Doping durchzogen ist, keine aktiven Sportler finden, die wirklich aktiv als Dopinggegner auftreten und sich voll diesem Kampf widmen, einfach nur um für sich die Chancengleichheit herzustellen? Warum twittern &#8220;saubere&#8221; Sportler wie Lance Armstrong ständig darüber, wie mühsam eine überraschende Dopingkontrolle um 6 in der Früh ist, aber nie darüber, dass er sich noch mehr solche Kontrollen wünschen würde? Warum geben sich &#8220;saubere&#8221; Sportler wie Andreas Klöden selbst ein Redeverbot bei Reporterfragen nach Doping, weil er schon soo genervt ist von diesem Thema, anstatt über jede einzelne Frage diesbezüglich froh zu sein?</p>
<p>Was ich damit sagen will: Das Problem des systematischen Dopings ist nicht so sehr das Problem von verlogenen Tätern. Es ist vielmehr das Problem von allgemeinem Schweigen. Und damit formuliere ich für mich die einzige Pauschalverurteilung dieses Beitrags: Wer in einem System, in dem scheinbar alle von Doping wissen MÜSSEN, nichts dazu sagt, nicht dagegen kämpft, der macht sich selbst verdächtig. Das ist es, was ich den Radsportlern vorwerfe. Und nicht nur ihnen. Der Radsport ist letzten Endes nur ein Beispiel. Zu naheliegend ist die Vermutung, dass es in anderen Sportarten, in denen es bisher noch weniger Skandale gab, und daher noch mehr geschwiegen wird, noch viel verheerender zugeht. Wenn eine Mirna Jukic sich beispielsweise in einer Pressekonferenz darüber verwundert zeigt, dass jemand die persönliche Bestzeit innerhalb eines Jahres um ganze 9 Sekunden steigern kann, etwas wofür sie selbst (als jemand der seit Jahren in der Weltspitze mitschwimmt) ca. 9 Jahre gebraucht hat, dann verhallt diese Aussage medial als Nebensatz. Warum? Weil es ohnehin niemand nachwiesen kann, und man niemandem etwas unterstellen will. Die Unterstellung von Unsportlichkeit, als grobe Unsportlichkeit. Und vielleicht will man es im Grunde auch garnicht so genau wissen.</p>
<p>Damit kommen wir endlich zur dritten, neuen Phase in die das Doping meiner Meinung nach gerutscht ist: Als die großen Dopingskandale der letzten Jahre im Radsport bekannt wurden, war der mediale Aufschrei noch groß. Ich selbst war einer von denen, die ARD und ZDF dafür lobten, einfach mitten in der mehrwöchigen TdF Berichterstattung auszusteigen, um einem verlogenen Sport keine Plattform mehr zu bieten. Daraufhin sprangen in Folge einige nahmhafte Teamsponsoren ab, und es schien fast so, als hätte der Zuseher, um den es im Sport ja eigentlich geht, noch immer alles in der Hand: Wenn der sportliche Wettkampf de facto gleich null ist, schaut einfach keiner mehr zu. So hätte die Lösung des Problems aussehen können. Doch genau das löst leider  einen Teufelskreis aus, in dem sich Qualitätsmedien unweigerlich wiederfinden: Berichten sie immer weniger über eine Sportart, so zwingen sie diese Sportart ungewollt auch immer mehr dazu, gewisse Probleme zu verstecken und zu verschweigen. Im positiven Sinne könnte das bedeuten, dass das Problem Doping verstärkt in Angriff genommen wird, und es wirklich zu einer sauberen TdF kommt. Im Negativen kann es aber auch auf das Gegenteil hinaus laufen, weil es sich in einem nahezu aussichtslosen Kampf schneller und einfacher bewerkstelligen lässt, mitzuhelfen das Dopingproblem zu verschweigen. Die diesjährige TdF lässt mich jedenfalls massiv zweifeln: An einer Tour de France, an der niemand mehr interessiert ist, leiden vor allem die Veranstalter der  Tour de France selbst, und mit ihr die Medien, die über sie berichten wollen. Das Interesse daran, durch immer neue Dopingskandale sich immer weiter ins eigene Fleisch zu schneiden sinkt natürlich immer mehr gegen null. Und damit auch das Interesse daran, wirklich bis zum Letzten alles zu unternehmen, um Doping bei der Tour de France aufzudecken. Doping ist damit nicht mehr nur das Problem eines Einzelsportlers oder eines Teams der oder das Erfolg haben will. Es ist auch das Problem der Veranstalter und Medien, die von dieser Sportart leben.</p>
<p>Nun ist es natürlich nicht fair, einfach die Tour de France pauschal zu verurteilen. Jeder von uns kann nur Vermutungen anstellen. Aber an eine wirklich saubere Radtour, ohne einen einzigen Dopingfall, kann ich persönlich einfach nicht mehr glauben. Nicht solange diese &#8220;Sauberkeit&#8221; nicht aus besagten Gründen von innen heraus, von den Sportlern selbst gewünscht und ausgelöst wird, sondern nur durch angeblich verstärkte Kontrollen. Der Grund warum die diesjährige Tour also (noch) sauber ist, kann nur bedeuten, dass es entweder ein aussichtsloser Kampf ist, in dem immer neuere, immer bessere Methoden zur Leistungssteigerung gefunden werden, die vermutlich erst in einigen Jahren aufgedeckt werden können. Oder weil die Kontrollen eben nicht so flächendeckend und gut funktionieren, wie es angesichts hoch professioneller Doper eben nötig wäre.</p>
<p>Die Konsequenz als Zuseher ist jedenfalls ernüchternd: Entweder man lügt sich selbst in die Tasche, und will einfach an übermenschliche Leistungen glauben. Oder man man muss mit dem Wissen leben, dass Vieles nicht so ist wie es scheint. Denn selbst eine Freigabe von Doping, nach dem Motto &#8220;alles ist erlaubt&#8221;, es zählt nicht mehr nur der Fahrer, sondern auch offiziell sein Doping, wäre zwar eine Spur ehrlicher, würde aber das Problem nicht lösen: nach wie vor würde sich niemand freiwillig seines Vorteils berauben und den anderen verraten wie genau er dopt. Und ebenso wären jene mit viel Geld in der Tasche klar bevorzugt. Ganz abgesehen davon, dass es sportlich gesehen natürlich ein verheerendes Vorbild wäre.</p>
<p>Wundern kann ich mich als Zuseher nur jedes Jahr aufs Neue über die Berichterstattung, in der über dieselben Fahrer Jahr für Jahr geschrieben wird, dass sie &#8220;völlig überraschend&#8221; nicht mithalten können und &#8221;am Berg eingebrochen&#8221; sind, während bei den Gewinnern all zu gerne die &#8220;übermenschlichen&#8221; Leistungen abgefeiert werden. Auch wenn es vielleicht zu moralisch klingt, aber vielleicht ist da mehr dran als man denkt, dass zum Gewinnen immer auch das Verlieren gehört, und dass es die übermenschliche Leistungen der Medienlieblinge (weil Dauersieger und Sekunden oder Kilometerweit voraus) wie das Wort schon sagt, einfach nicht gibt.</p>
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