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	<title>Schreibblogade &#187; Gesellschaft</title>
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		<title>Doping als Medienproblem</title>
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		<pubDate>Wed, 05 Aug 2009 14:38:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schimi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Doping]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>

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			<content:encoded><![CDATA[<p>Die mit Ende Juli zu Ende gegangene  Tour de France 2009 hat mich bezüglich Doping wieder einmal nachdenklich gemacht. In Österreich war ja das Thema Doping in den letzten Monaten so präsent wie vielleicht überhaupt noch nie, ausgelöst vor allem durch den letztjährigen großen Tour de France Skandal namens Bernhard Kohl. International dürfte das Thema hingegen wieder etwas abflauen, scheinbar ging die Tour de France diesmal ohne größeren Skandal über die Bühne. Nun könnte man als alter TdF Fan froh darüber sein und sogar glauben, dass diese Tour &#8220;sauber&#8221; abgelaufen ist. Doch jedem noch so naiven Beobachter ist im Grunde klar, dass das Problem keineswegs gelöst ist. Zu viele Fragen bleiben offen, und gerade eine so &#8220;sauber&#8221; abgelaufene Tour wirft zuviele neue Bedenken und Ungereimtheiten auf. Für mich scheint es fast so, als wäre Doping in einer Art dritten Phase angelangt, der mediengesteuerten Phase.</p>
<p>Phase 1 war der Beginn: Doping als Einzeltäterphänomen. Einzelne Sportler wollten sich einen sportlichen Vorteil gegenüber anderen verschaffen. Durch Einnahme von leistungsteigernden Substanzen konnten einzelne Akteure Erfolge einfahren, zu denen andere nicht mehr in der Lage waren. So wurden Ergebnisse verfälscht und der sportliche Aspekt blieb auf der Strecke.</p>
<p>Phase 2 kennzeichnete sich durch systematisches Gruppen-bezogenes Doping. Ganze Teams, oder gar ganze Sportarten gingen dazu über zu dopen. Heute wissen wir, durch die Aussagen von zahlreichen aufgedeckten Einzelfällen, dass Doping für Ärzte, Teamchefs und Sportberater zum großen Geschäft wurde. Bleibt man beispielsweise beim Radsport, so war und ist es wohl immer noch so, dass man als junger Sportler garnicht daran vorbei kam Dopingmittel angeboten zu bekommen, oder gar mitmachen musste um überhaupt an Verträge bei diversen Teams zu kommen. Geprägt war diese Phase daher vor allem auch von einem geminderten Unrechtsbewusstsein der einzelnen Sportler, frei nach dem Motto: wenn es alle machen, muss ich es ja auch machen. Nicht um einen Vorteil zu haben, sondern um keinen Nachteil zu haben. Und meine Leistung, und mein hartes Training, zählt ja ohnehin immer noch. Doping wurde zum fixen Bestandteil ganzer Sportszenen. So kommt es wohl auch, dass gewisse Sportler über Jahre hinweg an ihren Unschuldsbeteuerungen festhalten, weil sie selbst fast daran glauben. Und schlimmer noch: Auch die Medien glauben gerne daran. Man muss sich nur die Hauptakteure der diesjährigen &#8220;sauberen&#8221; Tour de France ansehen: Sieger Alberto Contador war vermutlich maßgeblich in den großen spanischen &#8220;Dr. Fuentes&#8221; Dopingskandal verwickelt. Die Initialen A.C. tauchten auf zahlreichen Proben auf, nachgewiesen werden konnte ihm nie etwas. Noch zweifelhafter ist die Sauberkeit des Idols Lance Armstrong. Dem wurde de facto EPO Doping nachgewiesen, allerdings mit Proben aus Zeiten in denen EPO noch nicht nachgewiesen werden konnte, und noch nicht einmal auf der Dopingliste stand. Man weiß also de facto, dass auch er gedopt hat. Glauben will es aber trotzdem niemand. Und schon garnicht, dass er es wieder tun würde.</p>
<p>Obwohl man niemandem Doping unterstellen kann, glaube ich einfach nicht mehr daran, dass es auch nur irgend jemanden in der Radszene gibt, der dort über Jahre hinweg zu Hause ist, der nicht irgendwann damit in Berührung gekommen ist, nicht irgendwann etwas angeboten bekommen haben muss. Anders kann es ja garnicht funktionieren. Insofern frage ich mich ganz simpel: Mal angenommen, Lance Armstrong hätte nie gedopt. Was motiviert einen Sportler, eine saubere Karriere aufs Spiel zu setzen, und in eine Sportart zurück zu kehren, von der er genau wissen muss, dass sämtliche Siege nur über Doping laufen können? Wie kann er sich ernsthaft Chancen ausrechnen, wenn er im Grunde weiß, dass alle anderen relevanten Gegner dopen? Die Antwort darauf kann nur eine der folgenden sein: A) er glaubt daran, dass der Sport jetzt sauber ist. B) er hofft darauf, dass die anderen erwischt werden, und er mit einem 2. oder 3. Platz als einziger Sauberer den Sieg erbt. C) er dopt selber und glaubt aus irgendeinem Grund fest daran, nicht erwischt zu werden.</p>
<p>Aber da es hier nicht um Lance Armstrong gehen soll, sondern um Doping allgemein, möchte ich auch versuchen auf diese Antwort A etwas allgemeiner einzugehen: Mein Problem damit, warum ich nicht daran glaube, ist weniger das Verhalten der Dopingsünder und deren Aussagen. Sondern vielmehr das Verhalten der vermeintlich &#8220;sauberen&#8221; Sportler. Ich frage mich zum Beispiel: Wie kann es sein, dass nie (niemals) ein junger Sportler auftaucht der von sich aus sagt: Mir wurde Doping angeboten, und ich habe es nicht angenommen. Das würde ja bedeuten, dass entweder nie Doping angeboten wird (woran wohl niemand mehr glaubt) oder alle die es angeboten bekommen, es auch nutzen oder zumindest aus irgendwelchen Gründen lieber darüber schweigen. Wie kann es des weiteren sein, dass sich in einer Sportart, die stark vom Doping durchzogen ist, keine aktiven Sportler finden, die wirklich aktiv als Dopinggegner auftreten und sich voll diesem Kampf widmen, einfach nur um für sich die Chancengleichheit herzustellen? Warum twittern &#8220;saubere&#8221; Sportler wie Lance Armstrong ständig darüber, wie mühsam eine überraschende Dopingkontrolle um 6 in der Früh ist, aber nie darüber, dass er sich noch mehr solche Kontrollen wünschen würde? Warum geben sich &#8220;saubere&#8221; Sportler wie Andreas Klöden selbst ein Redeverbot bei Reporterfragen nach Doping, weil er schon soo genervt ist von diesem Thema, anstatt über jede einzelne Frage diesbezüglich froh zu sein?</p>
<p>Was ich damit sagen will: Das Problem des systematischen Dopings ist nicht so sehr das Problem von verlogenen Tätern. Es ist vielmehr das Problem von allgemeinem Schweigen. Und damit formuliere ich für mich die einzige Pauschalverurteilung dieses Beitrags: Wer in einem System, in dem scheinbar alle von Doping wissen MÜSSEN, nichts dazu sagt, nicht dagegen kämpft, der macht sich selbst verdächtig. Das ist es, was ich den Radsportlern vorwerfe. Und nicht nur ihnen. Der Radsport ist letzten Endes nur ein Beispiel. Zu naheliegend ist die Vermutung, dass es in anderen Sportarten, in denen es bisher noch weniger Skandale gab, und daher noch mehr geschwiegen wird, noch viel verheerender zugeht. Wenn eine Mirna Jukic sich beispielsweise in einer Pressekonferenz darüber verwundert zeigt, dass jemand die persönliche Bestzeit innerhalb eines Jahres um ganze 9 Sekunden steigern kann, etwas wofür sie selbst (als jemand der seit Jahren in der Weltspitze mitschwimmt) ca. 9 Jahre gebraucht hat, dann verhallt diese Aussage medial als Nebensatz. Warum? Weil es ohnehin niemand nachwiesen kann, und man niemandem etwas unterstellen will. Die Unterstellung von Unsportlichkeit, als grobe Unsportlichkeit. Und vielleicht will man es im Grunde auch garnicht so genau wissen.</p>
<p>Damit kommen wir endlich zur dritten, neuen Phase in die das Doping meiner Meinung nach gerutscht ist: Als die großen Dopingskandale der letzten Jahre im Radsport bekannt wurden, war der mediale Aufschrei noch groß. Ich selbst war einer von denen, die ARD und ZDF dafür lobten, einfach mitten in der mehrwöchigen TdF Berichterstattung auszusteigen, um einem verlogenen Sport keine Plattform mehr zu bieten. Daraufhin sprangen in Folge einige nahmhafte Teamsponsoren ab, und es schien fast so, als hätte der Zuseher, um den es im Sport ja eigentlich geht, noch immer alles in der Hand: Wenn der sportliche Wettkampf de facto gleich null ist, schaut einfach keiner mehr zu. So hätte die Lösung des Problems aussehen können. Doch genau das löst leider  einen Teufelskreis aus, in dem sich Qualitätsmedien unweigerlich wiederfinden: Berichten sie immer weniger über eine Sportart, so zwingen sie diese Sportart ungewollt auch immer mehr dazu, gewisse Probleme zu verstecken und zu verschweigen. Im positiven Sinne könnte das bedeuten, dass das Problem Doping verstärkt in Angriff genommen wird, und es wirklich zu einer sauberen TdF kommt. Im Negativen kann es aber auch auf das Gegenteil hinaus laufen, weil es sich in einem nahezu aussichtslosen Kampf schneller und einfacher bewerkstelligen lässt, mitzuhelfen das Dopingproblem zu verschweigen. Die diesjährige TdF lässt mich jedenfalls massiv zweifeln: An einer Tour de France, an der niemand mehr interessiert ist, leiden vor allem die Veranstalter der  Tour de France selbst, und mit ihr die Medien, die über sie berichten wollen. Das Interesse daran, durch immer neue Dopingskandale sich immer weiter ins eigene Fleisch zu schneiden sinkt natürlich immer mehr gegen null. Und damit auch das Interesse daran, wirklich bis zum Letzten alles zu unternehmen, um Doping bei der Tour de France aufzudecken. Doping ist damit nicht mehr nur das Problem eines Einzelsportlers oder eines Teams der oder das Erfolg haben will. Es ist auch das Problem der Veranstalter und Medien, die von dieser Sportart leben.</p>
<p>Nun ist es natürlich nicht fair, einfach die Tour de France pauschal zu verurteilen. Jeder von uns kann nur Vermutungen anstellen. Aber an eine wirklich saubere Radtour, ohne einen einzigen Dopingfall, kann ich persönlich einfach nicht mehr glauben. Nicht solange diese &#8220;Sauberkeit&#8221; nicht aus besagten Gründen von innen heraus, von den Sportlern selbst gewünscht und ausgelöst wird, sondern nur durch angeblich verstärkte Kontrollen. Der Grund warum die diesjährige Tour also (noch) sauber ist, kann nur bedeuten, dass es entweder ein aussichtsloser Kampf ist, in dem immer neuere, immer bessere Methoden zur Leistungssteigerung gefunden werden, die vermutlich erst in einigen Jahren aufgedeckt werden können. Oder weil die Kontrollen eben nicht so flächendeckend und gut funktionieren, wie es angesichts hoch professioneller Doper eben nötig wäre.</p>
<p>Die Konsequenz als Zuseher ist jedenfalls ernüchternd: Entweder man lügt sich selbst in die Tasche, und will einfach an übermenschliche Leistungen glauben. Oder man man muss mit dem Wissen leben, dass Vieles nicht so ist wie es scheint. Denn selbst eine Freigabe von Doping, nach dem Motto &#8220;alles ist erlaubt&#8221;, es zählt nicht mehr nur der Fahrer, sondern auch offiziell sein Doping, wäre zwar eine Spur ehrlicher, würde aber das Problem nicht lösen: nach wie vor würde sich niemand freiwillig seines Vorteils berauben und den anderen verraten wie genau er dopt. Und ebenso wären jene mit viel Geld in der Tasche klar bevorzugt. Ganz abgesehen davon, dass es sportlich gesehen natürlich ein verheerendes Vorbild wäre.</p>
<p>Wundern kann ich mich als Zuseher nur jedes Jahr aufs Neue über die Berichterstattung, in der über dieselben Fahrer Jahr für Jahr geschrieben wird, dass sie &#8220;völlig überraschend&#8221; nicht mithalten können und &#8221;am Berg eingebrochen&#8221; sind, während bei den Gewinnern all zu gerne die &#8220;übermenschlichen&#8221; Leistungen abgefeiert werden. Auch wenn es vielleicht zu moralisch klingt, aber vielleicht ist da mehr dran als man denkt, dass zum Gewinnen immer auch das Verlieren gehört, und dass es die übermenschliche Leistungen der Medienlieblinge (weil Dauersieger und Sekunden oder Kilometerweit voraus) wie das Wort schon sagt, einfach nicht gibt.</p>
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		<title>Mut zur Peinlichkeit</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Jul 2009 15:21:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schimi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kreativität]]></category>
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		<description><![CDATA[Vergangene Woche hatte ich das Vergnügen gleich 3 ausgezeichnete Konzerte in der Wiener Arena zu besuchen, den Auftritt der Yeah Yeah Yeahs und einige Tage später gleich im Doppelpack The Kills und Arctic Monkeys. Gleich vorweg: Nicht nur, dass die Sommerarena als meiner Meinung nach beste Konzert Location in Wien wieder ihren Teil zur Stimmung beigetragen hat, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Vergangene Woche hatte ich das Vergnügen gleich 3 ausgezeichnete Konzerte in der Wiener Arena zu besuchen, den Auftritt der Yeah Yeah Yeahs und einige Tage später gleich im Doppelpack The Kills und Arctic Monkeys. Gleich vorweg: Nicht nur, dass die Sommerarena als meiner Meinung nach beste Konzert Location in Wien wieder ihren Teil zur Stimmung beigetragen hat, waren für mich auch alle drei Konzerte erstklassig.</p>
<p>Interessant fand ich in den folgenden Tagen aber eine Beobachtung bezüglich den zahlreichen Kommentaren und Kritiken zu den besagten (und auch weiteren) Konzerten in meinem Umfeld, und vor allem in den Foren von FM4: Da gibt es ein Argument, dass sich wie ein roter Faden durch die meisten Meinungen durchzieht, und dass ich mit folgendem Wort umschreiben würde: Der Peinlichkeitsfaktor.</p>
<p>Nun liegt es ja in der Natur der Sache, dass man, so wie bei allem, auch in Bezug auf Konzerte unterschiedlicher Meinung sein kann. Das hat in erster Linie oft schon was mit der Erwartungshaltungzu tun, damit wie sehr man die jeweilige Band prinzipiell mag und wie gut man ihre Songs kennt, mit den unterschiedlichen Eindrücken den Sound betreffend, mit unterschiedlichen Erfahrungen die Stimmung betreffend, auch mit der eigenen Stimmung am jeweiligen Abend, und nicht zuletzt auch einfach mit unterschiedlichen Geschmäckern. Schön und gut. Wenns aber um die Peinlichkeit der Bands geht, in vielen Fällen als einzigem oder ausschlaggebendem Argument, dann irritiert mich das schon, weil ich offensichtlich nach meiner jetzigen Beobachtung genau gegenteilig auf diese &#8220;Peinlichkeit&#8221; reagiere.</p>
<p>Um es konkret zu machen: Die Kills stiegen in nahezu sämtlichen Kommentaren gut aus, an ihrem souverän vorgetragenen Set gabs einfach kaum was auszusetzen. Die Arctic Monkeys wurden, vor allem auf Grund der großartigen Stimmung, die sie ihrem dankbaren (weil jungem) Publikum zu verdanken hatten, ebenfalls größtenteils mit Lob bedacht. Teilweise mischte sich hier aber auch schon die abschätzige Kritik ein: eben zu junges Publikum, Teenieband. Peinlichkeitsfaktor eben. Und am schlechtesten kamen die Yeah Yeah Yeahs weg (nein, natürlich nicht bei allen, aber eben bei einem Großteil der Leute in den Diskussionsforen), die mit Abstand am meisten mit dem Publikum kommunizierten, die wohl emotionalste Show hatten (inklusive Konfettiregen, ganz großer Peinlichkeitsfaktor) und deren Sängerin Karen O. sich auch noch zu einer Michael Jackson Widmung hinreißen lies, was  auch vor Ort im Publikum nur äußerst vorsichtig mit Applaus bedacht wurde (ui, ganz, ganz großer Peinlichkeitsfaktor).</p>
<p>Meine persönliche Reihenfolge (so schwer das auch immer sein mag), würde hingegen genau umgekehrt aussehen: Die YYYs schafften es bei mir am meisten Emotionalität und Ehrlichkeit gegenüber dem was sie machen rüber zu bringen. Selbst der Sound, der von vielen als zuwenig Bass- und Gitarren-lastig bemängelt wurde, war für mich eigentlich mehr eine Bestätigung des Sounds, den sie auch auf ihrer neuen Platte haben, eben weniger Gitarren-lastig, mehr in der Disco verhaftet. Diese Änderung der neuen Scheibe mag einem nun gefallen oder nicht, hat aber per se nichts mit der Qualität des Konzerts zu tun. Auf dem zweiten Platz wären bei mir wohl ebenfalls die Arctic Monkeys, die aus besagten Gründen wohl am meisten rockten, und auch die bombastischste Light and Sound Show hinlegten, die sich aber auch zu kaum einem Wort zum Publikum hinreißen ließen, und die &#8211; mit Ausnahme ihres Frontmans Alex Turner &#8211; eher etwas unmotiviert herumstanden. An letzte Stelle müsste ich hingegen die Kills reihen, die zwar durchaus solide ihre Songs abspulten, aber eben nur abspulten. Fm4 strich dieses &#8220;für sich selbst spielen, nicht fürs Publikum&#8221; als besonders lobenswert hervor, bei mir hat es eher das Gegenteil bewirkt: Es war okay, hat mich aber am wenigsten mitgerissen.</p>
<p>Was ist nun also meine Schlussfolgerung aus dieser Beobachtung? Je mehr eine Band aus sich heraus geht, je mehr sie sich dem Publikum öffnet, je mehr sie mit ihm spricht, je mehr sie ihren Sound auf ihren individuellen Wunsch einstellt, je mehr sie also tut, mit dem man anecken könnte, mit dem man auch mal daneben liegen könnte, oder eben peinlich sein könnte, desto eher wird es all diese Kritiken, die teilweise ja auch durchaus berechtigt sein können, auch tatsächlich geben. Wenn ich auf der anderen Seite hingegen möglichst das gewohnte Ding durchziehe, und möglichst kein Wort rede, dadurch möglichst keinen Fehler mach kann, möglichst fern und als cooler Musiker rüberkomme, dann kann mir auch nichts passieren, was wirklich peinlich sein könnte. Das schlimmste was passieren kann ist, dass mich jemand nicht so sympathisch gefunden hat. Aber das ist dem Image letztlich nur zuträglich. Hm, irgendwie kommt mir dieses Schema doch reichlich einfach vor. Irgendwie wirkt es doch zu simpel, als dass diese Beobachtung wirklich wahr sein könnte. Und doch, je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Beispiele fallen mir ein, dass es zumindest in einem bestimmten Kreis von Musikkritikern und -liebhabern tatsächlich so ist: Nur keine Peinlichkeit, dann kann man eigentlich nichts falsch machen. Auch mit Songtexten verhält es sich ähnlich: je abstrakter sie sind, je schwieriger sie interpretiert werden können, desto leichter hat es die Band. Und deutsche Texte sind daher schon mal prinzipiell eine Kategorie heikler, weil sie eben leichter peinlich sind. Wie gesagt, das soll keine Kritik an Bands sein, die aus Schüchternheit kein Wort reden wollen, oder an Sängern, die tatsächlich großartig abstrakte Texte schreiben. In vielen Fällen kann das auch wirklich besser sein. Nur als Argument, als einziges Argument warum ich eine Band kritisiere, ist es mir eben ein wenig zu einfach.</p>
<p>Ich für meinen Teil plädiere für das genaue Gegenteil: Mut zur Peinlichkeit. Je mehr ein Künstler sein individuelles Ding durchzieht, je mehr er einfach ist wie er ist, tut was er tun will, je mehr er riskiert auch mal peinlich zu sein, je mehr Angriffsfläche er damit also bietet, desto ehrlicher wird sein Produkt ankommen, und desto größer ist am Ende auch die Chance, in mir richtige Emotionen auszulösen, auch wenn ich es dann das eine oder andere Mal so richtig peinlich finden mag.</p>
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		<title>Invasion!</title>
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		<pubDate>Fri, 19 Jun 2009 13:07:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schimi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kreativität]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>

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		<description><![CDATA[Gestern Abend, Schauspielhaus. Eigentlich schon viel zu heiß für Theater, aber dieser Abend für nichtmal 5 Mücken  kurz vor der Sommerpause musste noch sein. Und: es hat sich wirklich gelohnt!
&#8220;Invasion!&#8221; des schwedisch-tunesischen Autors Jonas Hassen Khemiri war echt ein absolut krönender Abschluss. Selten hab ich etwas zum Thema&#8230; hm, da wirds schon schwierig&#8230;sagen wir mal [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gestern Abend, Schauspielhaus. Eigentlich schon viel zu heiß für Theater, aber dieser Abend für nichtmal 5 Mücken  kurz vor der Sommerpause musste noch sein. Und: es hat sich wirklich gelohnt!</p>
<p>&#8220;Invasion!&#8221; des schwedisch-tunesischen Autors Jonas Hassen Khemiri war echt ein absolut krönender Abschluss. Selten hab ich etwas zum Thema&#8230; hm, da wirds schon schwierig&#8230;sagen wir mal &#8220;fremde Kulturen, Identität, Vorurteile&#8221; gesehen oder gelesen (also auch Bücher, Filme etc.), das mit soviel Humor und gleichzeitig soviel Ernsthaftigkeit an die Sache rangeht, und dabei trotzdem niemals, nicht für den kleinsten Moment, Gefahr läuft peinlich oder übertrieben zu wirken.</p>
<p>Inhaltlich gehts&#8230; auch das ist garnicht so leicht beschrieben&#8230; eigentlich in erster Linie um einen Namen, einen Begriff: &#8220;Abulkasem&#8221;. Dieser bildet quasi das verbindende Element der Handlung, die immer wieder Ort und Personen ändert. Einmal wird der Name als neuer IN-Begriff von Jugendlichen mit Migrationshintergrund verwendet &#8220;Hey, das is ja voll abulkasem!&#8221;, dann wird von einer Gruppe Wissenschaftler über die Gefährlichkeit eines gewissen Abul Kasem diskutiert, er wird ebenso als &#8220;Deckname&#8221; für eine Anmache in einem Lokal missbraucht, wie er einem illegalen Einwanderer als Identität dient, und hat am Ende, an dem sich der Kreis schließt, im wahrsten Sinne des Wortes die Runde gemacht. Der Witz steht dabei an erster Stelle, getragen nicht zuletzt auch durch die vier genialen HauptdarstellerInnen, drei Frauen die sämtliche Männerrollen spielen, und einen Mann, der die Frauenrollen übernimmt. Schräge Tanzeinlagen (ein Highlight: der Breakdance!), zahlreiche Umkleidungen, einen eigenwilligen Soundtrack und eine Regieassistentin, die erklärende Zwischentexte spricht, inklusive.</p>
<p>Klingt jetzt alles ein bisschen nach einer durchgeknallten Komödie oder so, ist es aber nicht. Zumindest nicht nur. Im Gegenteil, ich war besonders von der Feinfühligkeit beeindruckt, wie der Autor Vorurteile, sprachliche Schwierigkeiten und kulturelle Missverständnisse mit Humor präsentiert, und trotzdem die ernsten, nachdenklichen Momente nicht zu kurz kommen lässt. Irgendwie auch eine gelungene Mischung aus extrem hintergründigem, subtilem Witz und gleichzeitig auch echt skurrilen Momenten, in denen man wirklich laut lachen könnte. Auch diese Kombination ist selten, finde ich.</p>
<p>Ja, sehr viel mehr kann man dazu auch schon fast nicht mehr sagen, sollte man eben echt gesehen haben. Leider hab ich keine Ahnung ob es das Stück in der nächsten Saison nochmal spielen wird, aber wenn ja, dann ist das eine echt dringende Empfehlung! Ich werd inzwischen mal versuchen mir einen der Romane des Autors zu besorgen. Vielleicht sind die auch total abulkasem.</p>
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		<title>Vom Glauben an die Technik</title>
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		<pubDate>Wed, 27 May 2009 17:09:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schimi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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		<description><![CDATA[Ein paar Gedanken eines &#8220;Informatikers&#8221; zum derzeitigen Versuch &#8220;E-Voting bei den ÖH-Wahlen&#8221;.
Liest man dieser Tage diverse Beiträge zum Thema, so hört man immer wieder davon wie &#8220;sicher&#8221; das derzeit verwendete System ist, oder es wird gar davon berichtet dass es keine Angriffe auf das System gab, und die Wahl somit nicht manipuliert wurde. Das ist schön [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ein paar Gedanken eines &#8220;Informatikers&#8221; zum derzeitigen Versuch &#8220;E-Voting bei den ÖH-Wahlen&#8221;.</p>
<p>Liest man dieser Tage diverse Beiträge zum Thema, so hört man immer wieder davon wie &#8220;sicher&#8221; das derzeit verwendete System ist, oder es wird gar davon berichtet dass es keine Angriffe auf das System gab, und die Wahl somit nicht manipuliert wurde. Das ist schön und gut, und tatsächlich eine technische Frage nach den Sicherheitslücken im System. Es ist aber keineswegs das Hauptproblem. Denn eine demokratische Wahl muss nicht nur tatsächlich unverfälscht und korrekt sein, sondern sie muss vor allem auch für jedermann (also jeden Teil der Demokratie) NACHVOLLZIEHBAR unverfälscht und korrekt sein. In anderen Worten: Es reicht nicht, wenn eine zehnköpfige Wahlkommission sagt: Passt schon, war alles korrekt. Ebensowenig reicht es wenn eine größere Personengruppe nur auf Grund ihrer technischen Bildung sagen kann: Passt schon, alles sauber. Fakt ist, jedermann und jedefrau muss in der Lage sein das Ergebnis einer Wahl zu überprüfen. Im Fall der &#8220;altmodischen&#8221; Stimmzettel ist das gegeben: jeder kann hergehen und im Falle des Falles die Stimmzettel nach einer Wahl noch einmal nachzählen. Natürlich, dieses Recht ist in unserer Demokratie nur ein theoretisches. In der Praxis gäbe es entsprechende Wahlanfechtungen, die ein solches Nachzählen ermöglichen, welches wiederum von dazu von uns befugten Institutionen durchgeführt werden würde. Nichts desto trotz ist dieses Recht unglaublich wertvoll: Es sorgt im Grunde mit dafür, dass eine Wahl eben <em>nicht</em> manipuliert wird.</p>
<p>Das Schlüsselwort lautet also: Transparenz. Einen Zettel mit einem Kreuz darauf kann jeder nachvollziehen. Ebenso sind Nachzählungen möglich ohne einen Eingriff in den Datenschutz vornehmen zu müssen: Wer gewählt hat, und seine eigentliche Stimme, sind offensichtlich klar voneinander getrennt. Die Transparenz einer Wahl, und sei sie noch so theoretisch, bleibt im IT Bereich hingegen nicht erhalten. Sie fällt de facto komplett weg.  Ein EDV-System, in dem irgendwo ein virtuelles Byte sagt, dass diese oder jene Partei gewählt wurde, ist nicht nur für einen Laien nicht mehr nachvollziehbar. Es wäre selbst für einen EDV-Experten nahezu unmöglich zu 100% nachzuvollziehen, was in einem entsprechenden System tatsächlich vor sich geht. Im Grunde bleibt E-Voting damit für einen überwiegenden Teil der demokratischen Bevölkerung eine absolute Black-Box, von der keiner eine Ahnung hat was darin wirklich passiert.</p>
<p>Ein einfaches Beispiel: Jedermann hat in Österreich das Recht anwesend zu sein wenn eine Wahlurne versiegelt wird. Durch einen Blick wird sichergestellt, dass nicht schon vor Beginn der Wahl eine Reihe von Stimmzetteln in der Wahlurne liegen. Im IT Bereich wäre das praktisch unmöglich. Wie soll man einem Laien beweissen, dass nicht schon vor der Wahl 2000 Stimmen für die eine Partei irgendwo virtuell verzeichnet sind? Das ist einfach nicht machbar. Und damit öffnet es Tür und Tor für Manipulierungen. Nicht externe Angriffe von irgendwelchen Gangstern sind die Gefahr für eine demokratische Wahl, sondern interne Mächte die ein Interesse an den Ergebnissen haben.</p>
<p>Sicher, nun könnte man das als eine Art Verschwörungstheorie abtun. Wer sollte in Österreich tatsächlich vorhaben die Wahlen zu manipulieren? Doch das ist nicht der Punkt, denn das System , wie eine Wahl vor sich geht, soll eben sicherstellen dass es erst garnicht zu Manipulationsversuchen kommt, weil es praktisch unmöglich ist. Erst wenn man diese Möglichkeiten bietet, könnte auch jemand auf die Idee kommen diese auch zu nützen. In der Informatik spricht man von einem SPOF (Single Point of Failure), wenn eine einzige Schwachstelle reicht, um ein ganzes technisches System lahmzulegen. In einer Demokratie wäre diese Schwachstelle die Wahl: Verändert man die Wahl, legt man sie lahm oder manipuliert man sie, so verändert, manipuliert und zerstört man die gesamte Demokratie.</p>
<p>Den Vergleich zu ziehen und zu sagen: Transparenz schön und gut, aber leben wir nicht in einer technokratisierten Welt, in der kaum noch etwas nachvollziehbar ist? Wenn ich beispielsweise im Internet meine Kreditkartennummer angebe, weiß ich denn dann was das System wirklich damit macht, ist das nicht auch eine Black-Box für mich? Das stimmt. Der Unterschied ist jedoch: Die Gefahr, dass mir jemand illegal Geld von meinem Konto abhebt, ist im Vergleich zur Wahl eines Staates nicht nur wesentlich kleiner, sie ist vor allem auch: ja, transparent. Denn ich werde jederzeit in der Lage sein den entstandenen Schaden zu erkennen: Wenn mir Geld fehlt, dass ich nicht ausgegeben habe, dann kann ich das merken. Bei einer Wahl ist das nicht so. Wie sollte beispielsweise jemals jemand merken, ob eine Partei ein paartausend Stimmen mehr auf sich verbucht hat? Ein paartausend Stimmen, die vielleicht ein Mandat ausmachen, eine Mehrheit, oder vielleicht auch nur eine Umreihung im Kampf um Vorzugsstimmen?</p>
<p>Ich denke es ist kein Zufall, dass es in der laufenden Diskussion gerade diverse Informatiker (wohlgemerkt: Informatiker im Sinne von Informationswissenschaftler, nicht Programmierer, nicht EDV-Junkie oder ähnliches) sind, die am Lautesten diese Gefahren aufzeigen. Schließlich versteht sich die Informatik zu einem Gutteil auch als Wissenschaft, die die Auswirkungen der modernen Technologien auf unsere Gesellschaft erforscht. Es ist daher ein Irrglaube zu denken, dass es gerade diese technik-affinen Menschen sein müssten, die zu jeder neuen Technologie sofort ja sagen und den Fortschritt bejubeln. Erstaunlich finde ich es, wie groß der Glaube an die Technik in der Bevölkerung scheinbar sein muss, und wie schwer es uns fällt, auch ein einfaches Blatt Papier und ein Kreuzchen als das optimale System für eine Aufgabe zu erkennen. Das bisschen Mehraufwand das für eine Wahl alle paar Jahre dadurch entsteht, sollte es uns schon Wert sein.</p>
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		<title>Endstation Demokratie?</title>
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		<pubDate>Mon, 11 May 2009 14:23:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schimi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
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		<description><![CDATA[Eine Demokratie wird nicht dadurch zur Demokratie, dass sie sich Demokratie nennt. Wenn sich die Zeichen verdichten, dass die derzeit zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausreichen, damit die Macht tatsächlich vom Volk ausgeht, damit tatsächlich wir alle gemeinsam entscheiden was in unserer Demokratie passiert, dann ist es an der Zeit darüber nachzudenken die Demokratie zu [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Eine Demokratie wird nicht dadurch zur Demokratie, dass sie sich Demokratie nennt. Wenn sich die Zeichen verdichten, dass die derzeit zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausreichen, damit die Macht tatsächlich vom Volk ausgeht, damit tatsächlich wir alle gemeinsam entscheiden was in unserer Demokratie passiert, dann ist es an der Zeit darüber nachzudenken die Demokratie zu verbessern.</p>
<p>Heute hat mir ein Bekannter folgende <a href="http://sos.teilchen.at" target="_blank">Petition</a>von Wissenschaftlern geschickt, die sich vehement gegen den geplanten Ausstieg Österreichs aus dem CERN Forschungszentrum wendet. Nun ist es in erster Linie natürlich eine inhaltliche Frage, ob man nun für oder gegen diesen Ausstieg ist. Es würde eines eigenen Blogeintrags bedürfen, um meine persönlichen Argumente gegen diesen Ausstieg anzuführen.</p>
<p>Was mir aber grundsätzlich dabei so sauer aufgestossen ist, ist die Tatsache dass schon wieder eine Gruppe aus Eigeninitiative und in allergrößter Not, eine Webseite samt Unterschriftenaktion starten muss, um in eine Frage eingebunden zu werden, die maßgeblich sie selber betrifft. Um nicht falsch verstanden zu werden: Dieser Vorwurf ist nicht an die Initiatoren solcher Seiten gerichtet! Im Gegenteil: Man stelle sich mal vor, es gäbe das Internet nicht. Dann wären die Möglichkeiten dieser Gruppe bei null. Und selbst mit Hilfe des Internets ist es letzten Endes nur ein Hilfeschrei, ohne wirklich zwingende Folgen. Die eigentliche Entscheidung überlassen wir lieber einem einzelnen Mann oder einer einzelnen Frau. Was das bedeutet liegt auf der Hand: Hier fehlt ein demokratisches Instrument, ganz eindeutig.</p>
<p>Ich erinnere an zwei weitere Beispiele aus jüngster Zeit: Die ORF <a href="http://www.sos-orf.at/" target="_blank">Petition</a> zur Rettung des ORF, die sich gegen das geplante Gesetz wendet. Und die Initiative <a href="http://www.profspro.at/" target="_blank">profspro</a>, die eine Stimme für engagierte Lehrer und einen konstruktiven Bildungsdialog erhebt. Man muss sich schon fragen: Wie ist es möglich, dass wir ORF und Mediengesetze ohne Einbeziehung der ORF- und Medienexperten dieses Landes beschließen? Wie ist es möglich, dass wir Bildungsfragen ohne Einbeziehung der Bildungsexperten und an guter Bildung interessierten Menschen dieses Landes beantworten? Und wie ist es möglich, dass wir Wissenschaftsentscheidungen, ohne Einbeziehung der Wissenschaftsexperten und Wissenschafter dieses Landes treffen? Ist das Demokratie?</p>
<p>Die Antwort, die uns unsere repräsentative Demokratie darauf bietet lautet &#8211; wenn wir mal beim CERN Beispiel bleiben &#8211; in etwa so: Wir hatten die Chance für eine &#8220;richtige&#8221; Entscheidung zu sorgen, als wir uns bei der letzten Nationalratswahl für Johannes Hahn als Wissenschaftsminister entschieden haben, der unserer demokratischen Entscheidung nach unsere Meinung in Wissenschaftsfragen am Besten vertritt. Damit geben wir uns also derzeit zufrieden.</p>
<p>Dabei beinhaltet diese Antwort doch gleichzeitig die zum Himmel schreienden Fehler, warum das einfach nicht funktionieren <em>kann, </em>so gut es Johannes Hahn auch meinen mag: Wir hätten uns also damals mit sämtlichen anstehenden Wissenschaftsfragen beschäftigen müssen, und quasi vorraussehen, dass dieser einzelne Mann, der dann für Wissenschaft zuständig ist, eine Entscheidung treffen wird, die uns nicht passt. Doch halt. Johannes Hahn wurde ja garnicht zum Wissenschaftsminister gewählt. Es war seine Partei, die ÖVP die in die Regierung gewählt wurde. Wir hätten also voraussehen müssen, dass die ÖVP einen Mann nominieren wird, der dann diese Entscheidung trifft. Doch wieder halt. Wir haben die ÖVP garnicht direkt in die Regierung gewählt. Wir hätten also voraussehen müssen, dass die Partei, die ein großer Teil von uns gewählt hat, in die Regierung kommt, und dort einen Mann für das Wissenschaftsministerium nominiert, der dann eine Entscheidung trifft, mit der wir nicht zufrieden sind. Und ein letztes Mal halt! Selbst wenn ich das alles gewusst hätte, hätte ich mich dann zwingendermaßen für eine andere Partei entschieden? Es gibt ja noch tausend andere Fragen, auf die ich vielleicht ebenso Rücksicht nehmen hätte müssen&#8230; Und selbst wenn es diese Partei gibt, die in allen Fragen der Welt, exakt meine Meinung vertritt und sich auch entsprechend für diese einsetzt, wie kann ich dann als Wissenschafter, der sich speziell für Wissenschaft interessiert, sichergehen, dass diese Partei dann in dieser Frage auch etwas zu sagen hat, und nicht die anderen Parteien, die auf Grund anderer Fragen, bei anderen Berufsgruppen, anderen Interessensgruppen viel besser abgeschnitten hat?</p>
<p>Ja, Demokratie ist eine tolle Sache. Wenn man nicht in die demokratischen Entscheidungen nur über drei Ecken eingebunden wäre, nur alle 5 Jahre mal befragt werden würde, auch dann auf keinen Fall direkt zu inhaltlichen Fragen, und schon garnicht bei jenen Themen, bei denen man wirklich etwas zu sagen hat. Tja, schwierige Sache so eine Demokratie, und weil es soo schwer ist, sich da bessere Lösungen einfallen zu lassen, vertschüss ich mich jetzt lieber mal wieder ein paar Tage in die Schweiz. Got it?</p>
<p>PS: Okay, das Letzte nehm ich zurück. Wir können auch klein anfangen, und zur Abwechslung mal wieder <a href="http://www.gruenevorwahlen.at" target="_blank">hier</a> vorbeischauen. lg</p>
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		<title>Am Tag der Arbeit</title>
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		<pubDate>Fri, 01 May 2009 09:30:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>schimi</dc:creator>
				<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
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		<description><![CDATA[Organisationen, die für sich den Anspruch erheben in irgendeiner Form eine gesellschaftliche Relevanz zu haben, müssen sich auch mit der Entwicklung  eben dieser Gesellschaft mitbewegen. Wer da stehen bleibt und diese Veränderungen nicht wahrnimmt, oder nicht wahrnehmen will, der wird über kurz oder lang seine Bedeutung verlieren.
Die Bildungsdebatte der letzten Wochen hat mich in vielen Punkten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Organisationen, die für sich den Anspruch erheben in irgendeiner Form eine gesellschaftliche Relevanz zu haben, müssen sich auch mit der Entwicklung  eben dieser Gesellschaft mitbewegen. Wer da stehen bleibt und diese Veränderungen nicht wahrnimmt, oder nicht wahrnehmen will, der wird über kurz oder lang seine Bedeutung verlieren.</p>
<p>Die Bildungsdebatte der letzten Wochen hat mich in vielen Punkten nachdenklich gestimmt. Einen davon, den Umgang mit Politikern, die in ihrem Bereich tatsächlich noch größere Veränderungen und Verbesserungen herbeiführen wollen, habe ich bereits <a href="http://www.schreibblogade.at/2009/03/der-schiefe-turm/" target="_blank">hier</a>thematisiert. Erschreckend war für mich in Folge zu beobachten, wie ich in persönlichen Diskussionen darüber nahezu allerortsauf Taube Ohren gestossen bin. Auch in meinem näheren Umfeld waren dabei immer wieder die gleichen Argumente zu hören: &#8220;Sie hat sich ungeschickt verhalten.&#8221;, &#8220;Man kann sowas nicht in der Öffentlichkeit diskutieren.&#8221;, &#8220;Man hätte zuerst die Gewerkschaft ins Boot holen müssen.&#8221; usw. Scheinbar sind den meisten Leuten, obwohl in der Sache selbst (Bildungspolitik, finanzielle Lage,&#8230;) durchaus Verständnis herrscht, diese Dinge wichtiger als die anstehenden, langfristigen Zukunftsfragen.</p>
<p>Daraus schließe ich, dass in Österreich die Form immer noch weit über dem Inhalt steht. Und diese Form besagt scheinbar: Konkrete Ideen und Vorschläge nur nicht laut sagen! Lieber alles erstmal hinter verschlossenen Türen diskutieren. Lieber erstmal alles von der Gewerkschaft heimlich absegnen lassen, erst dann kann man es auch den Menschen da draussen zumuten. Und vor allem: Bitte keine großen Veränderungen, und schon garnicht in zu kurzer Zeit! Denn das ist furchtbar undiplomatisch!</p>
<p>Sorry, damit gebe ich mich nicht mehr zufrieden. Dann bin ich lieber mal undiplomatisch. Für mich persönlich sage ich ganz deutlich: Ich will Veränderungen, und zwar möglichst schnell! Bei dieser Aussage muss man nicht erschrecken: schnell bedeutet eben nicht automatisch auch &#8220;um jeden Preis&#8221;. Es ist nur eine zeitliche Zielvorgabe. Ich will neue Ideen und Vorschläge, und zwar möglichst offen und transparent! Ich will Diskussionen über diese Vorschläge, ganz so wie sie in den letzten Wochen geführt wurden, aber über die Inhalte, nicht über die Form, und ich will nicht schon vorher jemanden um Erlaubnis fragen müssen, bevor diese Idee überhaupt geäußert wurde. Wenn das tatsächlich  so ein großer Bruch mit unserem gewohnten, politischen System ist, dann bitte, dann soll es so sein: Ich will diesen Bruch, denn das ist die Art von Politik, die ich mir für die Zukunft vorstelle!</p>
<p>Wenn ich gleich mal einen Vorschlag zu solchen Veränderungen bringen darf, dann führt mich das zurück zu Organisationen und ihrer gesellschaftlichen Relevanz. Es kann einfach nicht sein, dass man gleich als &#8220;neoliberaler&#8221; oder als &#8220;unsensibel gegenüber Kleinverdienern&#8221; beschimpft wird, wenn man sich kritisch gegenüber der Arbeit der Gewerkschaft äußert. Daher: Gewerkschaften sind wichtig, sie erfüllen eine notwendige Rolle in unserer Gesellschaft. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie sich überhaupt nicht verbessern müssen, sondern im totalen Stillstand festgefahren bleiben sollen. Im Gegenteil: Als weltweit die ersten Gewerkschaften gegründet wurden, und diese Idee des Zusammenschlusses erstmals aufkam, waren die Rechte der Arbeiter gleich null. Doch dank der Arbeit der Gewerkschaften sieht unsere Gesellschaft heute ganz anders aus. Vieles wofür damals gekämpft wurde, ist heute selbstverständlicher Bestandteil des Arbeitsrechts. Und das ist nur der größte Schritt. Auch in den letzten 50 Jahren hat sich unsere Gesellschaft stark geändert und weiterentwickelt, in vielen kleinen Schritten. Aus diesem Grund bin ich der Ansicht, dass es heute für die Gewerkschaft einfach nicht mehr reichen kann, wenn sie immer noch <em>ausschließlich</em> für weniger Arbeitsstunden und mehr Lohn kämpft. Das ist zu wenig. Da bin ich einfach der Meinung, hat die Gewerkschaft bestimmte Entwicklungen vollkommen verschlafen.</p>
<p>Daher wäre es so wichtig, vor allem im Eigeninteresse der Gewerkschaften, aus diesem Stillstand zu erwachen, und sich mal zu überlegen wie eine moderne Rolle der Gewerkschaft heute aussehen könnte. Denn nur wenn man Antworten auf die Fragen der Gesellschaft hat, kann man auch die Relevanz für diese beibehalten, die die Gewerkschaft in der Vergangenheit zweifellos hatte. Eine Gesellschaft, die sich längst schon auch mit Fragen wie eben der Zukunft der Bildung beschäftigt, kann mit einer Gewerkschaft, die diese Frage komplett ausblendet einfach nichts anfangen.</p>
<p>Was mir vorschwebt wäre dahingegen eine Gewerkschaft als echte Interessensvertretung des jeweiligen Berufsstandes, im Sinne der jeweiligen Aufgabe, nicht ausschließlich im Sinne des Arbeitsplatzerhalts. Eine Lehrergewerkschaft beispielsweise müsste meiner Meinung nach hergehen und sich fragen: Was ist unser Ziel als Lehrer, was wollen wir auf dieser Welt erreichen? Die Antwort könnte beispielsweise lauten: Wir wollen die bestmögliche Ausbildung unserer Kinder erreichen. Wie können wir dieses Ziel erreichen? Mit den folgenden Maßnahmen usw. Das diese Maßnahmen dann natürlich auch beinhalten werden, dass Lehrer einen sicheren Arbeitsplatz mit entsprechender Bezahlung haben, erklärt sich von selbst. Aber eben nicht nur. Lehrer müssen auch andere Maßnahmen für ihre hoffentlich existierenden Ziele kennen. Das zu formulieren, zusammenzutragen und eben auch zu vertreten, könnte Aufgabe der Gewerkschaft sein. Sie wäre damit genau jene Gruppierung, die meiner Meinung nach in der laufenden Diskussion so gefehlt hat. Und sie hätte damit weiterhin ihren wohlverdienten Fixplatz in der Gesellschaft.</p>
<p>Im Moment sehe ich das nicht. Weit und Breit sehe ich keine Gewerkschafter, die ein solches Ziel verfolgen würden, die auch mal Veränderung im Sinn hätten. Man braucht sich nur die Plakate der AK Wahl anzusehen und erkennt sofort: Es sind immer noch dieselben Argumente wie vor 20 Jahren. Manchmal ist mein Eindruck sogar, dass die Gewerkschafter, vielleicht um von ihrer Belegschaft wieder gewählt zu werden, oft viel sturer in Bezug auf neue Maßnahmen sind, als jene die sie eigentlich vertreten sollten. Lehrer sind da wiederum ein gutes Beispiel, von denen sich nämlich viele nicht wirklich vertreten fühlen. Über den führenden BMHS Lehrergewerkschafter musste ich zuletzt zum Beispiel folgendes Lesen: Lehrer wurde er aus Zufall, nämlich aus finanzieller Not. Ehrgeizig wollte er zum Direktor werden, als das nicht klappte schlug er die Gewerkschaftslaufbahn ein. Lehrer ist er heute nicht mehr, nur noch deren Vertreter. Auf die Frage nach seinen pädagogischen Vorstellungen antwortet er mit einer Zeichnung der Gauß´schen Kurve: 50 Prozent haben einen IQ über hundert, 50 Prozent haben einen IQ unter hundert.  Darum ist der Grund warum soviele Kinder Nachhilfe brauchen nicht bei den Lehrern zu suchen, sondern bei den zu hochgesteckten Erwartungen. Die Kinder sind eben zu dumm. Spricht man ihn auf die schwarzen Schafe unter den Lehrern an, die im Unterricht nur ein Video einlegen und sich zurücklehnen, sagt er: &#8220;Ich glaube nicht, dass es solche Lehrer gibt.&#8221; Noch Fragen?</p>
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